Bestattungsarten im Überblick (Sarg, Urne, Feuerbestattung, Seebestattung, …)

Welche Bestattungsarten gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es verschiedene Bestattungsformen. Dazu gehören traditionelle Erd- und Feuerbestattungen bis hin zu alternativen Optionen wie der Baumbestattung, der Seebestattung oder der Körperspende.

Erdbestattung

Die meisten Bestattungen in Deutschland erfolgen entweder durch Erd- oder Feuerbestattung. Bei der Erdbeisetzung wird der Leichnam in einem Sarg in ein Grab gelegt und mit Erde bedeckt. Meist wird das Grab anschließend mit einem Holzkreuz, später mit einem Grabstein und Pflanzen gestaltet.

Feuerbestattung

Die meisten Bestattungen in Deutschland erfolgen entweder durch Erd- oder Feuerbestattung. Bei der Feuerbestattung wird der Leichnam in einem Krematorium verbrannt, und die Überreste werden in einer Urne auf einem Friedhof beigesetzt. Einäscherungen sind in Deutschland aktuell die häufigste Bestattungsform. Grund dafür sind die in der Regel niedrigeren Bestattungskosten, der geringe Pflegeaufwand des Grabes und die vielen Bestattungsmöglichkeiten.

Baumbestattung

Eine Naturbestattung bietet die Möglichkeit, die Asche des Verstorbenen in der freien Natur beizusetzen. Bei der Baumbestattung oder Waldbestattung wird die Asche des Verstorbenen in einer Urne am Fuße eines Baumes in einem Bestattungswald beigesetzt. Die Urne ist biologisch abbaubar und die Gräber nicht sichtbar, wodurch der Wald seine natürliche Schönheit erhält. Die Grabstelle verbleibt entweder anonym oder wird mit einer Plakette gekennzeichnet. Die Pflicht zur Grabpflege entfällt und die Kosten sind oft geringer als bei klassischen Sarg- und Urnenbestattungen. Baumbestattungen sind mittlerweile an vielen Orten in Deutschland möglich. Frage dazu am besten dein Bestattungsunternehmen.

Seebestattung

Eine Seebestattung ist eine Bestattungsart, bei der die Asche des Verstorbenen im Meer beigesetzt wird. Die Asche wird in einer speziellen wasserlöslichen Urne auf einem Schiff zu einer bestimmten Stelle auf See gebracht und dort ins Wasser gelassen. Im Gegensatz zu traditionellen Bestattungen gibt es bei einer Seebestattung keine Grabstelle, und es wird keine Trauerfeier auf einem Friedhof abgehalten. Stattdessen kann eine Gedenkfeier auf dem Schiff oder an einem Ort Deiner Wahl abgehalten werden.

Besonders für Menschen mit einer starken Verbundenheit zum Meer ist diese Bestattungsart eine schöne Alternative. Neben seemännischen Zeremonien, berücksichtigt die Reederei die Wünsche der Angehörigen zur Trauerfeier. Angehörige können bei der Bestattungsfahrt teilnehmen oder es kann eine stille Bestattungsfahrt ohne das Beisein von Angehörigen veranlasst werden. Bedenke bei der Wahl einer Seebestattung, dass es keinen örtlichen Bezugspunkt gibt. Das Meer und das Wasser sind bei einer Seebestattung das Medium des Gedenkens.

Körperspende

Organspenden sind in unserer Gesellschaft bekannt, Körperspenden hingegen weniger. Ein Mensch kann sich zu Lebzeiten durch eine Körperspendeerklärung dazu entscheiden, seinen Körper nach dem Tod zu wissenschaftlich-medizinischen Zwecken zur Verfügung zu stellen. Die Körperspendeerklärung wird direkt mit einer anatomischen Einrichtung abgestimmt und dient der medizinischen Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung. Von dem Vertrag können jederzeit beide Parteien zurücktreten. Wenn nicht anders vereinbart, kümmert sich das Institut um die anschließende Bestattung.

Eine Körperspende ist nur durch eine Körperspendeerklärung, abgeschlossen mit einem anatomischen Institut, gültig. Vermerke im Testament oder eine Patientenverfügung sind nicht ausreichend. Auch Angehörige sind nicht befugt, eine Körperspende zu veranlassen oder einen Vertrag zu widerrufen. Zwischen dem Todesfall und der abschließenden Bestattung eines Körperspenders können mehrere Jahre vergehen. Da eine Bestattung ein wichtiger Punkt in der Trauerbewältigung der Angehörigen darstellt, sollten Angehörige am besten in die Entscheidung mit einbezogen werden.

Anonyme Bestattungen

Anonyme Bestattungen sind eine weitere Möglichkeit, die in Deutschland angeboten wird. Bei dieser Art der Bestattung wird der Verstorbene ohne Beisein von Angehörigen oder Freunden beerdigt. Die Grabstelle wird nicht gekennzeichnet, und es wird keine Trauerfeier abgehalten. Anonyme Bestattungen sind oft eine günstigere Alternative zu traditionellen Bestattungen.

Bild von der grievy App im Artikel über die Bestattungsarten.

Die ganzen Aufgaben und Entscheidungen können in der Trauer eine große Belastung darstellen. Vielleicht lösen sie bei dir Gefühle von Überforderung, Einsamkeit oder Ohnmacht aus. grievy unterstützt dich in der Trauer. Unsere interaktive App ist dein Trauer Safe Space – entwickelt von Psychologinnen und aus dem eigenen Verlusterleben unserer Gründer heraus. Wir wissen wie sich Trauer anfühlt und möchten dich auf deinem Weg in der Trauer unterstützen.

Welche Regeln gibt es bei den einzelnen Bestattungsformen?

Bei jeder Bestattungsart gibt es bestimmte gesetzliche Regeln die beachtet werden müssen. Die Friedhofsordnung legt die Regeln des gewählten Friedhofs fest. Dazu gehören die Pachtzeiten, die Gestaltungsrichtlinien des Grabes, sowie die Ruhezeit der beigesetzten verstorbenen Person. Da die Regeln sich von Friedhof zu Friedhof und in den einzelnen Bundesländern in Deutschland unterscheiden, wirf einen Blick in die Friedhofsordnung in dem von dir ausgewählten Friedhof.

Was solltest du bei der Wahl der Bestattungsart beachten?

Um die richtige Form der Beisetzung aus der Vielzahl an Bestattungsarten zu finden, sollten die Kosten, der Pflegeaufwand des Grabes, die Erreichbarkeit des Grabes sowie die Persönlichkeit der verstorbenen Person berücksichtigt werden. Bei der Wahl der Bestattungsart solltest du folgende Punkte berücksichtigen:

  • Gab es schriftliche oder mündliche Äußerungen der verstorbenen Person über die gewünschte Bestattungsart?
  • Gibt es bereits eine Grabstätte die genutzt werden kann?
  • Welches Familienmitglied besucht den Bestattungsort am häufigsten?
  • Ist der Bestattungsort gut zu erreichen?
  • Wird eine anonyme oder eine nicht-anonyme Grabstätte gewünscht?
  • Wie hoch sind die Kosten für die gewünschte Bestattungsart?
  • Können die Kosten für die Bestattungsform getragen werden?
  • Möchte eine angehörige Person die Grabpflege übernehmen oder können die Kosten für eine professionelle Grabpflege getragen werden?

Die Wahl der Bestattungsart ist oft keine leichte, da wir zu diesem Zeitpunkt oft sehr stark mit unserer Trauer und dem Verlust konfrontiert werden. Wenn du die Fragen beantwortest, wird die die Entscheidungsfindung der richtigen Form der Beisetzung der verstorbenen Person leichter fallen.

Welche Grabarten gibt es bei den einzelnen Bestattungsformen?

Je nach dem für welche Bestattungsart du dich entscheidest, gibt es verschiedene Grabarten die ausgewählt werden können. Neben Wahl-, Reihen- und Wiesengräbern, gibt es auch anonyme Bestattungen. Sie unterscheiden sich in folgenden Punkten:

  • der Möglichkeit der Wahl von Lage und Größe des Grabes
  • der Möglichkeit zur weiteren Beisetzung von Särgen oder Urnen
  • den Kosten
  • der Pflicht zur Grabpflege
  • der Gestaltungsfreiheit der Grabstätte
  • der Möglichkeit zur Verlängerung von Nutzungsrechten

Was ist ein Wahlgrab?

Bei einem Wahlgrab suchst du die Lage und die Größe des Grabes aus, wählst zwischen Einzel- oder Mehrgrabstellen und weitere Beisetzungen sind möglich. Wahlgräber bieten den größten Entscheidungsspielraum und die Nutzungsrechte können verlängert werden. Gleichzeitig ist es die teuerste Grabart.

Was ist ein Reihengrab?

Bei einem Reihengrab legt die Friedhofsverwaltung die Lage des Grabes fest. Reihengräber sind Einzelgräber und die Nutzungsrechte können nicht verlängert werden.

Was ist ein Wiesengrab?

Bei einem Wiesengrab entfällt die individuelle Gestaltung des Grabes und die Pflicht zur Grabpflege. Auf dem Grab wird Rasen gesät und die Pflege vom Friedhof übernommen. Anstelle eines Grabsteins, kann die Grabstelle mit einer Grabplatte gekennzeichnet werden.

Was ist ein anonymes Grab?

Das anonyme Grab gleicht dem Wiesengrab ohne die Kennzeichnung der Grabstelle durch eine Grabplatte. Auf dem Grab wird Rasen gesät und die Pflege vom Friedhof übernommen. Die individuelle Gestaltung, sowie die Pflicht zur Grabpflege entfällt.

Was ist eine Urnenwand?

Die Urnenwand ist eine oberirdische Aufbewahrung der Urne in einer Nische in einer Wand. Jede Nische wird namentlich gekennzeichnet. Die Grabpflege entfällt.

Wenn die Trauer zu groß wird

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Ulf

Ulf

Wie war der Tag, als du von dem Tod erfahren hast?

Ich saß zuhause in meinem WG-Zimmer und war dabei, einen Antrag für meine Studienbeihilfe auszufüllen. Dafür benötigte ich die Sozialversicherungsnummer meines Papas, also wählte ich seine Telefonnummer, um nachzufragen. Niemand ging ans Telefon. Ich wählte noch einmal, da mein Papa immer gesagt hat, beim zweiten Mal klingelt das Handy dann laut, dann geht er ran. Er ging wieder nicht ran, stattdessen hörte ich eine andere männliche Stimme: „Landespolizeidirektion Steiermark, wer spricht da?“. Im ersten Moment dachte ich, mein Papa hätte mal wieder Mist gebaut, wäre mit der Polizei ins Diskutieren gekommen, Probleme mit dem Führerschein, was auch immer. „In welchem Bezug stehen sie?“. Mir wurde mulmig, gab es einen Unfall, in den er verwickelt war? War er im Krankhaus? Ist er wohl auf? „Sie sind die Tochter? Hmm, das ist jetzt unpassend, dass Sie anrufen, normalerweise kommen wir in solchen Fällen persönlich vorbei.“ Mir wird schlecht. Nein so schlimm kann es nicht sein, er hatte sicher einen Unfall und wird sich wieder aufrappeln, wie damals schon. „Ihr Vater ist heute gestorben“.

Was hast du in dem Moment gefühlt, als du es erfahren hast?

Meine Brust zieht sich krampfartig zusammen, ich bekomme keine Luft, Stiche in meinem Magen, eine unendliche Leere breitet sich in meinem Kopf aus. Ich rolle mit meinem Stuhl zurück, beuge mich vor, krümme mich zusammen, ringe nach Luft. In dem Moment legt sich ein Schalter in mir um, von „Manuell“ auf „Automatik“, nur in diesem Modus überlebe ich die drauffolgenden Monate. Ich musste sofort raus aus der Wohnung.

Ich saß unten vor dem Haus an einer stärker befahrenen Straße, es war unheimlich laut, mein Kopf brummte, ich hyperventilierte und hatte Atemnot. Nachdem ich meine Mutter nicht erreichte, rief ich meine Großeltern mütterlicherseits an, sie holten mich zu sich nach Hause. Meine Mutter und ihr Bruder kamen an dem Abend auch ins Haus meiner Großeltern. Ich informierte Papas Schwester und seine beste Freundin, danach betrank ich mich und weinte mich in den Armen meiner Mutter in den Schlaf.

Wie hast du die Zeit bis zur Bestattung erlebt?

Als alleinige Tochter ohne bestehender (Ehe)partnerin meines Vaters war ich vollkommen allein verantwortlich für alles, was nach seinem plötzlichem Tod kam. Die Todesnachricht überbringen, Organisation des Begräbnisses, Ausräumen der Wohnung, Notartermine, Nachlass, Abmelden aller Verträge, Konten und Fahrzeuge. Da war keine Zeit, um zu realisieren, was passiert ist, kein Platz für Trauer oder andere Gefühle.

Ich bin wie eine automatisierte Maschine von A nach B nach C gegangen und hatte täglich eine To-Do-Liste zu erledigen. Da die Obduktion und die anschließende Verbrennung sehr lange dauerten, wurde mein Vater erst 2 Monate nach seinem Tod begraben. Ich kann mich nur noch dunkel an diese Zeit erinnern.

Ich war wie von einem dichten Nebel umgeben, in Watte eingepackt, abgekapselt von meiner Umgebung, meine Welt hatte keine Farben mehr, alles war nur noch in Grautönen gezeichnet. Kalendereinträge von der Woche nach seinem Tod: Emotionslos, bedrückt, ständig wenig Luft zu Atmen, Schwere in der Brust, Erschöpfung, Leere, Hoffnungslosigkeit, sehr schwierig allein zu sein, Angst vor naher Zukunft, Überforderung, Einsamkeit, Verloren, Sinnlosigkeit weiterzumachen.

Wie hast du den Tag der Bestattung in Erinnerung?

Mein Papa wurde verbrannt, seine Urne wurde in einer Friedhofswiese in meiner Heimatstadt begraben. Aufgrund der geltenden Coronamaßnahmen durften nur 50 Personen am Begräbnis teilnehmen, ich habe also sehr bedacht eingeladen – Familie, engste FreundInnen von meinem Papa und meinen eigenen Freundeskreis.

Den ganzen Tag konnte ich nicht fassen, dass das wirklich passiert, dass alle Menschen da sind, um sich von meinem Papa zu verabschieden, von meinem Papa, der tot ist. Meine Mama, mein Partner und meine FreundInnen waren mir eine große Stütze an diesem Tag. Das Begräbnis war schön, ich habe eine sehr ehrliche Rede über meinen Papa gehalten, ein paar Menschen konnte ich damit ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Zum Abschluss eins seiner Lieblingslieder „Don’t Worry, Be Happy“, die Urne wurde in das Erdloch gelassen, die Leute umarmten mich, weinten, bedankten sich für die schöne Verabschiedung. Am Abend haben wir im Park zusammen gesessen, miteinander geredet, getanzt und den Tag gefeiert – hätte er uns zu gesehen, er hätte sich so gefreut.

Da mein Papa so plötzlich verstorben ist, konnte ich mich in keiner Weise von ihm verabschieden, auch das Begräbnis war kein Abschied für mich. Es war nur der Abschluss vom größten Teil der harten Arbeit, die ich nach seinem Tod erledigten musste, ich spürte das erste Mal nach zwei Monaten sowas wie Erleichterung. Ein erstes Gefühl von Abschied kam viel später.

Wie hat sich die Trauer angefühlt?

In den ersten Monaten nach dem Tod meines Papas hatte ich ein sehr drückendes Gefühl in der Brust, Atemnot, Schlafstörungen, selbstverletztendes Verhalten, überwältigende Ängste, Panikattacken. Ich war ständig unter Menschen und konnte nicht allein sein, gleichzeitig fühlte ich mich so oft fehl am Platz und war überfordert mit den sozialen Interaktionen.

Ich griff zu oft und zu viel zum Alkohol um meine Nerven zu beruhigen, anfangs in der Gruppe, später auch allein. Ich meldete mich von allen Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht an meiner Universität ab, bei wenigen Online Kursen und Prüfungen versuchte ich dran zu bleiben. Ich war schon vor Papas Tod in einer Gruppentherapie, aus dieser musste ich austreten – der Vergleich zwischen meiner Lebenssituation und der von den anderen Teilnehmerinnen war für mich nicht auszuhalten.

Ich wechselte in eine wöchentliche Einzeltherapie, die mir half herauszufinden mit wem und wie ich meine Zeit verbringen möchte, Angstzustände in den Griff zu bekommen, Taktiken gegen das selbstverletzende Verhalten zu erlernen. Meine Familie und FreundInnen standen hinter mir, versuchten mich abzulenken und zu unterstützen, trotzdem fehlte mir ein Geschwisterkind oder ein Mensch, der meinem Papa so nahe stand wie ich es tat, ein Mensch mit dem ich mich austauschen könnte.

Hast du etwas Bestimmtes unternommen, was dir in deiner Trauer geholfen hat?

Ich fühlte mich nicht verstanden von meinem Umfeld, ich war allein mit meinem Schmerz. Also suchte ich nach einer Trauergruppe. Nachdem ich keine passende gefunden hatte, stellte ich mithilfe eines Vereins eine eigene Trauergruppe für junge Erwachsene auf die Beine. Die Gruppe gibt es bis heute – hier fühle ich mich verstanden, ich kann alle meine Gedanken, Gefühle und den Schmerz teilen.

Wir hören zu und versuchen uns zu unterstützen, wir erzählen von unseren Erfahrungen und wie man mit den unterschiedlichsten Situationen gelernt hat umzugehen. Wir begleiten uns gegenseitig durch die Höhen und Tiefen der Trauer.

Weiter sittete ich regelmäßig Hunde und half wöchentlich auf einem Hundegnadenhof aus – die wärmende Nähe der Hunde, ihre Zuneigung und ihre Lebensfreude brachten mir die ersten Farbtupfer in mein graues Leben zurück.

Gab es bestimmte Lichtblicke für dich in dieser Zeit?

Von meinem Papa erbte ich einen uralten Campingbus, den ich herrichtete und einige Ausflüge und Reisen unternahm – das waren wunderschöne Zeiten und Erinnerungen, für die ich sehr dankbar bin.

Mein Papa war zudem viele Jahre Tauchlehrer in Ägypten, er hat mir das Tauchen beigebracht und mir das Meer näher gebracht. Heute besuche ich jährlich seine „Familie“ in Ägypten, nehme FreundInnen und Familienangehörige mit und teile die Welt des Tauchens mit ihnen.

Bei diesen Reisen bin ich mit Wärme und Dankbarkeit erfüllt, es sind für mich die schönsten Zeiten seit seinem Tod. Vielleicht werde ich auch in seine Fußstapfen treten und eine Tauchlehrerausbildung machen.

Gab es emotionale Rückschläge?

Die ersten sehr harten Rückschläge waren mein eigener erster Geburtstag ohne ihn, sein Geburtstag, der erste und der zweite Todestag. Diese Tage zeigen einem wie schnell die Zeit vergeht, dass die Erde sich einfach weiter dreht und das Leben keine Rücksicht auf dein Leid nimmt.

An diesen Tag habe ich immer einen Hund an meiner Seite, ich schreibe eine Nachricht an meinen Papa in mein Fotoalbum und organisiere ein Treffen seiner und meiner FreundInnen und wir stoßen auf ihn an.

Würdest du sagen, dass die Trauer verschwunden ist oder dass sie immer noch ein Teil deines Lebens ist?

Das Schwierige mit der Trauer: Sie kommt bei mir immer und immer und immer und immer wieder mit voller Wucht, jedes Mal mit derselben Intensität wie kurz nach seinem Tod. Ich glaube die Trauer wird nie verschwinden, sie wird wahrscheinlich von anderen Schicksalsschlägen im Leben – gute als auch schlechte – übertrumpft und dadurch in den Hintergrund wandern.

Ich stelle mir oft noch Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Da das Verhältnis meines Papas zu seiner Familie sehr schlecht war und meine Eltern schon ewig getrennt waren, trage ich die Trauer mit mir alleine herum und kann sie nicht wirklich mit jemandem teilen, das macht mir das Leben oft sehr schwer. Ich kann mit dem Gefühl der Ungerechtigkeit nicht umgehen, ich fühle mich oft allein mit allem, ich fällt mir immer noch unheimlich schwer das Thema selbst anzusprechen.

Wie schaust du heute auf alles zurück?

Was die Trauer aushaltbarer gemacht hat, sind die Zeitabstände zwischen den dunklen Zeiten – diese werden länger und die Höhen werden immer höher, ich kann die Glücksmomente wieder an mich ranlassen, sie dankbar annehmen und erleben. Ich habe den Fokus leider sehr spät erst auf mich selbst gerichtet – anfangs musste ich sehr viel erledigen, dann hatte ich das Gefühl wieder funktionieren zu müssen.

Ich habe mir zu wenig Zeit für mich genommen, bis heute trage ich den Wunsch in mir mich für 2-3 Wochen vollkommen allein zurückzuziehen auf eine Almhütte oder ans Meer. Irgendwann habe ich mich dann viel mit meiner Kindheit und Jugend auseinandergesetzt und sie versucht zu verarbeitet, ich hab meine Gegenwart reflektiert und mir viele Gedanken darüber gemacht, wer ich sein möchte, wen ich um mich haben möchte und was mich glücklich macht im Leben.

Hast du einen Rat für jemanden, der gerade eine ähnliche Situation durchlebt?

Der plötzliche Verlust meines Papas hat mir aufgezeigt, wie vergänglich wir alle sind und wie wichtig es ist, das Leben jeden Tag neu zu gestalten, es wertzuschätzen und dankbar zu sein. Ich habe einige FreundInnen im Trauerprozess verloren, weil sie sich abgewandt haben, mir nicht geholfen haben oder überfordert waren. Dafür sind andere Beziehungen viel enger, intimer, offener und ehrlicher geworden.

Heute lebe ich viel bewusster, nehme mir mehr Zeit für mich selbst und achte besser auf meine Bedürfnisse. Ich bin achtsamer und dankbarer für die Menschen, Dinge und Hobbys, die ich habe.

Enwa

Enwa

Wie hast du die Zeit erlebt, in der du wusstest, dass sie sterben wird?

Ich habe meine Mutter nicht nur die letzten 5 Monate ihres Lebens fast täglich besucht, sondern 4 Jahre jeden Tag auf diesem Weg, den sie nie wirklich akzeptieren wollte, begleitet – einige Silvester, Jahresübergänge und Skiurlaube ohne sie verbracht, und auch davor schon. Sie konnte einfach nicht mehr, aber manche Traditionen wurden dennoch auch auf anderen Wegen weitergeführt. Die Zeit bis zum Tod waren mit sehr vielen Besuchen verbunden, mit Geschichten vorlesen und erzählen. Darin war mein Vater um einiges besser als ich. Ich habe die Zeit einfach genutzt, da zu sein und Zeit zu haben (auch, wenn es schwer war und sich daran zurückzuerinnern immer wieder schwer ist). Der Tod stand nie im Vordergrund. Es gab nie das Ende, bis auf die letzten Wochen davor, wo es einfach nur noch ein Warten war.

Wie hast du sie in den letzten Stunden vor ihrem Tod begleitet?

Am Todestag selbst hatte ich Schule. Es war die erste Schulwoche nach den Ferien – eine neue Klasse, einige Altbekannte und sehr gute Freunde. Ich wollte nicht so viel verpassen und wollte nicht einfach fehlen. Und da wir vorher schon einen Zeitraum wussten, wann die Herzmaschine ausgestellt werden sollte, war das der einfachste Weg nicht zu viel darüber nachzudenken. In der großen Pause bin ich gegangen. Die ganze Familie traf sich und jeder hatte nochmal ein bisschen Zeit, sie zu besuchen und um Abschied zu nehmen.

Es war seltsam auf etwas zu warten, weil man wusste, dass es passiert und trotzdem surreal, als es auf einmal da war. Als es dann so weit war, sollte ich nicht mehr ins Zimmer rein. Ich wollte eigentlich, aber auch so war es schlimm genug. Ich habe draußen vor dem Zimmer mit meinem Opa gewartet. Er hat mir eine Geschichte vom kleinen Prinzen und dem Fuchs erzählt und über das Geben und Zurückgeben. Auch wenn ich sie nicht mehr zusammenbekomme, hat die Botschaft dahinter gezählt.

Entchen und Waldo, ein Stoffentchen und ein Bernhardinerstoffhund, je handgroß, haben immer die Geräte überwacht und bis zum Ende alles kontrolliert. Alle meine Stofftiere haben Namen, also brauchten die beiden auch einen. „Waldo und der Oberförster“ war das Lieblingspixiebuch meiner Mom und der Hund sah genauso aus. Und Entchen erklärt sich selbst. Stille. Piep. Piep. Piep. Das rote Alarmlicht leuchtet auf. Ein kurzer Schockmoment. Geht etwas schief? Doch was soll eigentlich schief gehen? Kurz später warteten wir dann (die Ärzte meinten, es könne Stunden und Tage dauern) und irgendwann ist es dann passiert. Stille. Kein Piepen mehr, kein monotoner Beat. Nichts.

Wie hast du die Zeit bis zur Bestattung erlebt?

Zwischen dem Todestag und der Bestattung lag eine Woche. Da wir es vorher wussten, war alles irgendwie schon geregelt und geplant. Einige letzte Dinge mussten noch organisiert werden, aber im Großen und Ganzen war es vorher schon vereinbart, wie es abläuft. Eine Woche später… In der Schule war ich in Gedanken woanders. Ich habe nicht komplett teilgenommen. Ich habe aber auch nicht gesagt, was los ist. Ich wollte einfach nur, dass es weitergeht.

Dienstag, 4 Tage später… In der Mittagspause gehe ich nach Hause. Ich habe Nachmittagsunterricht, aber das ist mir egal. Ich kann nicht mehr. Ich habe Hunger und mir ist schlecht. Es ist der Tag, an dem meine Klasse es erfährt – wie als hätte ich es gewusst. Ich hätte es gerne selbst gesagt oder miterlebt, aber ich weiß auch, dass es besser war, nicht anwesend zu sein. Ich habe von einer Freundin, die es vorher schon wusste, die Stimmung und Reaktionen bekommen. Ich hätte es gern miterlebt. Und doch ist es besser so.

Es war seltsam, die Tage danach in die Schule zu gehen und zu wissen, dass die anderen es wissen, auch wenn sie es lange nicht ganz wissen und nur einen Bruchteil des Ganzen. Ich wollte Normalität und die bekam ich größtenteils. Immer noch die Woche. Sie neigt sich dem Ende zu. Meine Abwesenheit ist nicht unbemerkt, aber auch verständlich. Ich gehe in der ersten Pause. Ein Klassenkamerad fragt, wieso. Es ist feige gewesen und ich würde es gern ändern, aber so 6 Jahre später auch etwas komisch, vor allem, weil es mittlerweile eh vergangen ist, aber ich konnte den Grund nicht sagen. Ich war nicht bereit dazu und habe einfach nur gesagt, dass es so ist. Er weiß wieso und trotzdem fühlt es sich falsch an, dass ich es nicht einfach sagen konnte.

Wie hast du den Tag der Bestattung in Erinnerung?

Es war der Tag der Beerdigung. Ich hatte anderes im Kopf als auch noch zu sagen, wieso ich gehen musste. Es war sonnig. Es gab einen Gottesdienst und einige Lieder, die sich meine Mom gewünscht hat. Anschließend gab es noch ein Beisammensein mit Kuchen. Es war ein komischer Tag und trotzdem sehr schön.

Abends hat es dann geregnet und es gab über dem Haus einen Regenbogen, gerade als wir dann nach Hause kamen. Eine Bestattung, welcher Art auch immer, gehört dazu und bildet einen Abschluss. Es war sehr emotional und ich hab es leid, dass alle sagen, dass es ihnen Leid tut. Denn auch, wenn es nicht einfach ist, weiß und wusste ich, dass es besser so ist.

Einige Tage später war im familiären Kreis die Beisetzung auf dem Friedhof. Es ist nicht einfach, an diesen Ort zu gehen und doch immer wieder schön. Es ist schwierig, sich vorzustellen, dass die Verstorbene sich ihren Platz vorher selbst ausgesucht hat und eigentlich diesen Weg mit der Planung vorher, in der Nacht, in der sich alles änderte, bevor eine lange Zeit begann, bereits beschritten hatte.

Wie hast du die Zeit nach der Beerdigung wahrgenommen?

Die ersten 12 Monate danach… Das Leben geht weiter. Ein neuer Alltag beginnt und doch wird der alte fortgeführt. Man hatte knapp 5 Monate Zeit sich darauf vorzubereiten und doch ist es anders, wenn es dann endgültig so ist. Es musste sich neu einspielen und doch ging es weiter wie davor. Für mich war der Tag, an dem es passiert ist, wie eine Hölle. Ein Fluch, der nicht enden wollte. Es war seltsam, als diese Höllentage weniger wurden und dass sie nur noch punktuell auftreten, aber es ist auch schön.

Was hat dir in deiner Trauer geholfen?

Mir hat es geholfen, jeden Tag kleine Briefe zu schreiben und einfach von meinem Tag zu erzählen, aber genauso, einfach alleine zu sein. Trauer hat sich mit der Zeit gewandelt. Die Todestage haben sich gewandelt und jeder einzelne ist individuell verschieden. Himmel und Hölle zugleich. Trauer ist ein Prozess. Ähnlich wie Depressionen und doch komplett gegenteilig. Man entwickelt sich mit und lernt. Es gibt nie das Alter, in dem man bereit dafür ist, aber man lernt mit der Zeit, damit umzugehen.

Mir haben zudem kreative Trauergruppen mit anderen jugendlichen Trauernden geholfen. Ohne Worte, einfach kreativ austoben. Dann zunehmend Stück für Stück erzählen können, was passiert ist bis hin zu dem Punkt, dass man es erzählt, weil es wie die eigenen Narben ein Teil der Geschichte ist. Ich bin froh, es teilen zu dürfen, da es Teil des Verarbeitens ist und gleichzeitig die Angst nimmt, es zu vergessen je weiter die Zeit vergeht.

Wie schaust du heute auf alles zurück?

Doch eins weiß ich auch fast 6 Jahre später. Das Leben geht weiter und mit ihm die Trauer und endlose Verbindung. Und so stark auch andere Tage wiegen und der Ablenkung dienen, dieses Erlebnis wird immer präsent bleiben und nicht mit der Zeit vergehen, sondern jedes Jahr aufs Neue an gleicher Stelle stellen.

Die Angst des Vergessens gehört dazu, doch sie wird ersetzt durch das Erinnern. Gemeinsam statt einsam. Entchen und Waldo haben mich immer begleitet und mir zugehört. Sie haben mir geholfen, erst mal selbst es zu verarbeiten und ein kleines Zeichen von „ich bin da“ zu senden.

Wie waren die Reaktionen aus deinem Umfeld?

Meine Freunde und Klassenkameraden haben geholfen, da sie den Wunsch nach Normalität respektiert haben und trotz des Wissens es nicht in den Vordergrund gestellt haben. Mittlerweile kann ich zwar sagen, dass es den Freundeskreis davor und den danach gibt, aber es gibt auch ein paar wenige, die beide Seiten und Zeiten kennen, auch wenn sich so manche Wege trennen und getrennt haben. Nicht zwingend dadurch, aber sicherlich auch.

Die ganze Klasse hat eine Karte geschrieben, es gab einige stille Umarmungen und Zeichen von „wir sind da“, aber das Wichtigste war mir, einfach weiterzumachen wie davor und keinen Unterschied zu machen und ich bin sehr dankbar, dass dieser Weg meistens so geklappt hat.

Hast du auch Reaktionen von deinen Mitmenschen erlebt, die dich verletzt haben?

Ich habe auch manche Situationen mit unpassenden Bemerkungen gehabt, eine von meiner Pfarrerin, die selbst Seelsorgerin ist und irgendwo den Prozess durch meine Konfirmandenzeit kannte. Ich weiß, wie es gemeint war, aber sie kann nicht erwarten, dass ich 30 teils fremden Leuten einfach meine Geschichte erzähle, damit sie anfangen, etwas zu machen und ihren Glauben festigen.

Ich muss dazu sagen, dass ich seither nicht mehr so regelmäßig und oft in die Kirche gegangen bin, auch wenn ich nie streng gläubig war oder so, einfach, damit ich sie nicht mehr sehen musste. Mittlerweile sind neue Pfarrer da und ich bin auch darüber hinweg, aber vor allem, weil es am zweiten Todestag war, war das ziemlich unangebracht, dieses Ereignis zu neutralisieren und darüber hinwegzusehen. Und so gibt es nicht nur im Glauben und der Kirche immer wieder Momente der Rückschläge, Verletzbarkeit und der Trauer, sondern auch so im Alltag. Meistens, wenn irgendetwas einen daran erinnert oder man etwas damit verbindet.

Würdest du sagen, dass die Trauer verschwunden ist oder dass sie immer noch ein Teil deines Lebens ist?

Heute, 5 Jahre und 298 Tage später (zum Zeitpunkt, wenn ich das schreibe), kann ich sagen, dass es nie leichter, nur anders wird. Dass es Momente gibt, die bleiben, auch wenn Jahre vergehen und dass es die Erinnerungen an diese geliebten Menschen sind, die uns den Schmerz verspüren lassen.

Doch wenn ich eins sagen kann, dann, dass ich an diesem Weg gewachsen bin und schon viel gelernt habe und dies ein niemals endender Prozess sein wird. Kleines Eichhörnchen, bitte hör nie auf mich zu besuchen, denn du bist so viel stärker als du denkst und so viel mehr als du glaubst, auch wenn die Trauer manchmal meine Kraft raubt. Trauer verschwindet nie, sie verändert und entwickelt sich und doch bleibt sie ein Bestandteil, der niemals verschwinden wird.

Was würdest du jemandem raten, der eine ähnliche Situation durchlebt?

Lerne, mit der Trauer umzugehen und sie zu teilen, denn gemeinsam trägt sie sich leichter. Erinnere dich an die schönen, gemeinsamen Momente und lebe für diese Person(en) weiter, denn sie würden nicht wollen, dass du dich in einer Höhle versteckst, während draußen das Leben wartet. Habt andere Leute um euch, die euch zuhören, auch wenn ihr einfach nur schweigt. Ihr seid mit eurer Trauer nie allein, doch mit dem Leben auch nicht. Daher gibt es und wird es immer wieder Rückschläge geben, Tage, an denen die Trauer stärker und präsenter ist, doch das ist kein Grund, das Leben nicht zu leben und erleben. Sei glücklich alle Tage lang!

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