Trauernde Erzählen

Franzi, 2010

Franzi ist im Jahr 2010 plötzlich verstorben. Hier erzählt eine Freundin über ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Tod und der Trauer.

Wie war der Tag, als du von dem Tod erfahren hast?

Als ich von Franzis plötzlichem Tod erfuhr war ich zuhause. Damals wohnte ich noch in meinem Elternhaus. Es war spät am Abend als ich den Anruf mit der schlimmen Nachricht von einem guten Freund erhielt. Ich erinnere mich an ein im ersten Moment panisches Gefühl, den Eindruck sich nicht bewegen zu können und sich überschlagende Gedanken.

Mein Verstand war überfordert und wollte es noch nicht verstehen. Ich konnte stundenlang nicht aufhören zu weinen und war unfassbar und tief traurig, fand jedoch etwas Trost bei meinen Eltern, die mich in den Arm nahmen und mit mir weinten.

Wir alle waren überwältigt von der Tragik, dass ein so lebensfroher Mensch so jung und so plötzlich aus dem Leben gerissen wurde. Rückblickend kann ich gar nicht sagen, was mich an dem Abend gedanklich mehr beschäftigt hat und trauriger gemacht hat – die Tatsache, dass ich eine Freundin verloren hatte oder die Brutalität und Ungerechtigkeit des Lebens, die einer jungen Frau das Leben nimmt, die es noch vor sich hatte.

Wie war die Zeit bis zur Bestattung für dich?

An die Tage bis zur Bestattung kann ich mich kaum erinnern. Ich weiß aber noch, dass wir im Freundeskreis viel über unsere Gedanken und Gefühle gesprochen haben. Auch unsere Lehrer haben uns während des Unterrichts viel Raum für unsere Trauer gegeben, was mir damals sehr gut getan hat. Auch wurden Kerzen zu ihrer Gedenken aufgestellt. Im Nachhinein bin ich sehr dankbar, dass in meinem Umfeld so offen über Franzis Tod gesprochen wurde. Alle Gefühle waren berechtigt und das war gut so. 

Der Tag der Bestattung - wie hast du ihn erlebt?

Der Tag der Beerdigung ist der Tag, den ich am stärksten erinnere. Auf der einen Seite war es ein sehr schmerzhafter Tag. Das Gefühl einer überwältigenden Traurigkeit, die mich immer wieder wellenartig überrollte hat sich mir ins Gedächtnis gebrannt. Ich glaube sehr nah am Wasser gebaut zu sein, hatte an diesem Tag aber umso stärker den Eindruck, meinen Gefühlen völlig ausgeliefert zu sein.

Auf der anderen Seite war es eine sehr würdevolle Bestattung und gab mir die Gelegenheit mich zu verabschieden. Auch wenn ich keine Friedhofgängerin bin, ist dieses Ritual der Bestattung doch sehr wichtig für mich. Auch in anderen Todesfällen merkte ich immer wieder, wie stützend auch eine Trauergemeinschaft sein kann.

Wie waren die ersten Wochen und Monate nach der Bestattung?

Die Trauer war noch da, trat aber immer mehr in den Hintergrund. Es gab natürlich anfangs noch viele lebendige Erinnerungen, die mich traurig stimmten, aber das war okay und das durfte auch sein. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich so konsequent mit meinen Freunden und meiner Familie über meine Gefühle gesprochen habe. Mein Umfeld reagierte sehr offen und wertschätzend darauf.

Wie schaust du heute auf alles zurück?

Trauer spüre ich keine mehr. Manchmal bin ich wütend und spüre ein starkes Gefühl von Ungerechtigkeit, wenn ich z.B. in den Nachrichten vom frühen Tod junger Menschen höre oder lese und frage mich dann immer noch „Warum?“. Das führt mich gedanklich jedoch in eine Sackgasse. Ich denke, ich kann mittlerweile ganz gut akzeptieren, dass es auf diese Frage keine Antwort gibt. Für mich selbst habe ich den besten Umgang damit gefunden, indem ich für mein Leben mit allen Höhen und Tiefen, für Freunde und Familie und alle Begegnungen dankbar bin.

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