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TRAUERNDE ERZÄHLEN

Emma

Emma ist an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben. Hier erzählt ihre Enkelin über ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Tod und der Trauer.

Erzähle von deiner Oma Emma. Was war das Besondere an eurer Beziehung?

Oma Emma war für mich immer mehr als nur eine Oma. Als meine Mutter wieder arbeiten ging, verbrachte ich fast jeden Tag bei ihr. Der Duft von frisch gebackenem Apfelkuchen, das leise Klappern ihrer Stricknadeln und das sanfte Summen alter Schlager – das war meine Kindheit.

Jeden Mittwoch backte Oma. Schon als kleines Mädchen durfte ich den Teig kneten und Äpfel schneiden, auch wenn die Stücke nie so gleichmäßig wurden wie ihre. „Das macht nichts“, sagte sie dann immer, „hauptsache mit Liebe gemacht.“ Diese Weisheit hat sie mir oft mit auf den Weg gegeben – es muss nicht perfekt sein, solange man sein Bestes gibt.

Wie hast du von ihrer Krankheit erfahren?

Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Oma war immer so aktiv gewesen, hatte ihren Garten gepflegt, sich um die Nachbarskinder gekümmert. Plötzlich wurde sie schwächer, verlor Gewicht. Die Ärzte gaben ihr noch etwa sechs Monate.

Wie war die Zeit der Krankheit für dich?

Diese Zeit war kostbar. Wir backten weiter zusammen, auch wenn sie meist nur noch zusehen konnte. Sie erzählte mir Geschichten aus ihrer Jugend, von der Nachkriegszeit und wie sie Opa kennenlernte. Ich nahm alles auf Video auf – heute bin ich unendlich dankbar dafür.

In ihren letzten Wochen wurde sie immer stiller. Das Sprechen strengte sie an, aber sie wollte unbedingt zu Hause bleiben. Mit Hilfe eines Pflegedienstes und der Familie konnten wir ihr diesen Wunsch erfüllen. Ich übernahm oft die Nachtwache, las ihr vor oder hielt einfach ihre Hand.

Wie war der Tag, als sie gegangen ist?

An ihrem letzten Abend war ich bei ihr. Sie war schon lange nicht mehr ansprechbar, aber ich spürte, dass sie meine Anwesenheit wahrnahm. Ich erzählte ihr von meinen Plänen, dass ich ihr Apfelkuchenrezept an meine eigenen Kinder weitergeben würde, wenn es einmal soweit wäre. Früh am nächsten Morgen schlief sie friedlich ein.

Wie waren die ersten Tage und Wochen danach?

Die ersten Wochen danach waren surreal. Mittwochs erwischte ich mich dabei, wie ich automatisch in Richtung ihres Hauses fuhr. Ihr Telefon war noch in meiner Kurzwahl. Am schwersten waren die Feiertage – Omas Platz am Tisch blieb leer, niemand machte ihren berühmten Kartoffelsalat.

Was hat dir geholfen, mit der Trauer umzugehen?

Was mir half, war das Weiterleben ihrer kleinen Traditionen. Ich fing an, selbst zu backen. Nicht nur ihren Apfelkuchen, sondern auch all die anderen Rezepte, die sie mir über die Jahre beigebracht hatte. Dabei fühlte ich mich ihr nahe. In ihrem Haus fand ich ein altes Notizbuch mit handgeschriebenen Rezepten und kleinen Anmerkungen – ein wahrer Schatz.

Wie schaust du heute auf alles zurück? Was hast du durch sie gelernt?

Heute, drei Jahre später, verstehe ich viele ihrer Lebensweisheiten besser. Wenn ich unsicher bin, frage ich mich oft: „Was hätte Oma dazu gesagt?“ Meistens höre ich dann ihr verschmitztes Lachen und ihre typische Antwort: „Kind, mach dir nicht so viele Sorgen. Das Leben ist zu kurz für Perfektionismus.“

Was ich durch Omas Tod gelernt habe:

Durch Omas Tod habe ich vor allem verstanden, dass die kleinen Momente im Leben oft die wertvollsten sind – viel wichtiger als die großen Ereignisse. Traditionen können unglaublichen Trost spenden und eine Verbindung schaffen, die über den Tod hinausreicht. Es ist so wichtig, die Zeit mit geliebten Menschen bewusst zu genießen, solange sie noch da sind.

Erinnerungen leben in den alltäglichen Dingen weiter – in einem Rezept, einem Duft, einer Geste. Und manchmal ist der beste Weg zu trauern nicht das Festhalten am Schmerz, sondern die Liebe weiterzugeben, die man empfangen hat.

In meiner Küche hängt jetzt ihr altes Küchentuch mit den gestickten Blumen. Es ist schon etwas ausgeblichen, aber das macht nichts. Hauptsache mit Liebe benutzt, würde Oma sagen.

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