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Tod: Warum wir mehr als nur eine Person verlieren 

Jeder Trauernde kennt sie, doch vielen sind sie gar nicht bewusst: die sekundären Verluste. Für Außenstehende sind sie oft gar nicht zu bemerken. Mit dem Tod einer nahestehenden Person verlieren wir nicht nur eine geliebte Person, sondern auch andere Bereiche unseres Lebens. Freundschaften können durch Trauer zerbrechen, bestimmte Rollen entfallen oder das gemeinsame Zuhause muss aufgelöst werden. Diese weiteren Verlusterfahrung nach dem Todesfall einer nahestehenden Person heißen sekundäre Verluste. Sie stehen in unmittelbarem Zusammenhang zu der verstorbenen Person und konfrontieren die Hinterbliebenen stetig mit der Verlusterfahrung.

Was sind sekundäre Verluste in der Trauer?  

Wenn man einen bedeutenden Verlust erlebt, wie den Tod eines geliebten Menschen, kann dies zu vielen Veränderungen führen. Neben dem primären Verlust, also dem Tod einer nahestehenden Person oder der Trennung nach einem Beziehungsende, können sekundäre Verluste auftreten. Sekundäre Verluste sind beispielsweise der Verlust von sozialer Unterstützung, finanzieller Stabilität, der eigenen Identität oder Sicherheit. Ebenfalls entfallen bestimmte Rollen, wie beispielsweise die Rolle des Partners, des Freundes oder des Elternteils. Als sekundäre Verluste zählen auch das Zerbrechen von Freundschaften oder der Verlust der gemeinsamen Wohnung. Diese sekundären Verluste können sehr schmerzhaft sein und den Trauerprozess sowie die Trauerverarbeitung stark beeinflussen.  

Welche Auswirkungen können sekundäre Verluste auf Trauernde haben?  
Warum sich das Leben nach dem Tod einer nahestehenden Person nicht mehr so anfühlt wie zuvor. 

Sekundäre Verluste können Trauernde sehr stark beeinflussen, weil sie eine erneute Konfrontation mit dem Tod der nahestehenden Person darstellen. Damit stellen sekundäre Verluste ebenfalls eine starke emotionale Belastung dar. Sekundäre Verluste können das Gefühl verstärken, dass sich das eigene Leben stark verändert hat und dass es schwierig ist, sich an die neuen Umstände anzupassen. In der Trauerforschung wird oft betont, dass sekundäre Verluste für Trauernde genauso bedeutsam sein können wie der primäre Verlust selbst. Hier sind ein paar Beispiele, wie sich sekundäre Verluste auf den Trauerprozess auswirken können: 

  • Verlust von sozialen Kontakten: Trauernde können sich von Freunden und Familienmitgliedern distanziert fühlen, die nicht in der Lage oder bereit sind, sie während ihrer Trauerzeit zu unterstützen. Dies kann dazu führen, dass sich Trauernde isoliert und einsam fühlen. 
  • Verlust von Sicherheit und Stabilität: Der Verlust eines Partners oder Elternteils kann nicht nur den emotionalen Verlust, sondern auch finanzielle Unsicherheit oder ein Verlust von Stabilität im Leben bedeuten. Trauernde können sich auch durch den Verlust ihrer primären Bezugsperson unsicher oder ungeschützt fühlen. 
  • Verlust von Identität und Sinn: Der Tod einer primären Bezugsperson kann dazu führen, dass Trauernde ihre Identität und ihren Sinn im Leben verlieren. 
  • Verlust von Vertrauen und Hoffnung: Sekundäre Verluste können dazu führen, dass Trauernde das Vertrauen in sich selbst, andere und das Leben insgesamt verlieren. Sie können Schwierigkeiten haben, Hoffnung und Optimismus für die Zukunft zu finden. 

Sekundäre Verluste können beispielsweise dazu führen, dass sich Trauernde sozial isolieren, um sekundäre Verluste zu vermeiden. Dies kann zu einem Gefühl der Einsamkeit und Hilflosigkeit führen und die Fähigkeit beeinträchtigen, angemessen mit dem primären Verlust umzugehen. Erneute Konfrontationen mit dem primären Verlust können außerdem eine erhöhte Stressbelastung im Alltag darstellen, da die Konfrontationen nicht immer vorauszusehen sind. Nicht selten kommt es auch zu Veränderungen der Persönlichkeit. Vorlieben oder Interessen können sich verändern und somit auch das soziale Umfeld. Dabei ist wichtig zu beachten, dass jeder Trauernde anders auf sekundäre Verluste reagiert und dass die Auswirkungen von Person zu Person unterschiedlich sein können. 

Bild von der grievy App im Artikel zum Thema "Warum wir mehr als nur eine Person verlieren".

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Wie geht man am besten mit sekundären Verlusten um? 

Es ist wichtig zu beachten, dass sekundäre Verluste individuell unterschiedlich sein können und dass nicht jeder Trauernde dieselben Verluste erleben wird. Die Bewältigung von sekundären Verlusten erfordert oft Zeit, Unterstützung und eine bewusste Anstrengung, um sich an die neuen Umstände anzupassen und das Leben neu aufzubauen. Wichtig ist, dass auch die sekundären Verluste akzeptiert werden und man sich die Zeit nimmt, sich mit diesen auseinander zu setzen. Zeit sollte dabei kein limitierender Faktor sein. Es ist wichtig, dass man sich Zeit für sich selbst nimmt, um die Gedanken und Gefühle zu verarbeiten. Zur Unterstützung kann man sich die Hilfe von Vertrauenspersonen oder auch professionelle Hilfe dazu holen. Aufgepasst: Es gibt kein „richtiges“ oder „falsches“ Verhalten im Umgang mit sekundären Verlusten. Jeder Trauernde muss für sich selbst herausfinden, wie er damit umgeht und sein Umfeld muss ihm Zeit und Raum dafür einräumen. Die grievy App kann dir helfen, die Trauer durch den Tod einer dir nahestehenden Person zu verarbeiten sowie Unterstützung im Umgang mit sekundären Verlusten bieten. 💛 

Quellen:

Kaltenthaler, E., & Shackleton, R. (2019). Secondary losses following bereavement: An exploration of the literature. Bereavement Care, 38(3), 90-97. 

Stroebe, M., & Schut, H. (2019). The dual process model of coping with bereavement: Rationale and description. Death Studies, 43(6), 1014-1025. 

Kristensen, P., Weisæth, L., & Heir, T. (2018). Bereavement and mental health after sudden and violent losses: A review. Psychiatry, 81(2), 107-125. 

Boelen, P. A., & van den Bout, J. (2018). Complicated grief, depression, and anxiety as distinct postloss syndromes: A confirmatory factor analysis study. The American Journal of Psychiatry, 175(3), 225-232. 

Taku, K., Cann, A., Tedeschi, R. G., & Calhoun, L. G. (2020). The factor structure of posttraumatic growth and its relationship with resilience. Journal of Loss and Trauma, 25(5), 414-426. 

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