Was ist zu tun, wenn ein Angehöriger stirbt? (kostenlose Checkliste)

Aufgaben unmittelbar nach dem Todesfall

  • Ausstellung des Totenscheins
    Der Totenschein ist sehr wichtig. Du brauchst den Totenschein für die Beantragung der Sterbeurkunde und für die Organisation der Bestattung. Der Totenschein enthält die Personalien, die Todesursache, des Todeszeitpunkts sowie den Todesort. Je nachdem wo die Person verstorben ist, wird der Totenschein entweder von einem Arzt, dem ärztlichen Notdienst oder von der Verwaltung von Krankenhäusern oder Heimen ausgestellt.
  • Zusammenstellung wichtiger Unterlagen
    Alle wichtigen Unterlagen zusammenzustellen erleichtert dir einige der nächsten Schritte. Leg dir am besten einen Ordner an und lege folgende Dokumente dort ab: der Totenschein, die Geburtsurkunde, der Personalausweis, alle Versicherungsunterlagen, unter anderem der Kranken-, Renten, Lebens- und Unfallversicherung, ggf. eine Heiratsurkunde, das Familienbuch oder ein Scheidungsurteil, ggf. der Bestattungsvorsorgevertrag, ggf. die Grabdokumente, z. B. über bestehende Familiengräber.
  • Benachrichtigung von Angehörigen
    Angehörige über den Tod zu informieren ist ein schwerer, aber auch ein entlastender Schritt. Die Organisation der Bestattung muss nicht nur in deiner Hand liegen und die Anteilnahme von dir nahestehenden Personen ist ein wichtiger Schritt in der Trauerverarbeitung. Falls du dich nicht in der Lage fühlst die Angehörigen zu informieren, bitte eine dir nahestehende Person um Hilfe.  Trau dich offen nach Unterstützung zu fragen.  Kinder über einen Todesfall zu informieren kann uns vor eine große Herausforderung stellen. Zu diesem Thema haben wir einen eigenen Artikel veröffentlicht.
  • Wünsche der verstorbenen Person
    Besteht eine Bestattungsverfügung oder ein Bestattungsvorsorgeantrag? Hat die verstorbene Person Wünsche geäußert? Eine Bestattungsverfügung dokumentiert bindend die Wünsche der verstorbenen Person (z. B. über den Bestattungsort). Liegt keine Bestattungsverfügung vor, gilt das Bestattungsgesetz des Bundeslandes. Ein Bestattungsvorsorgeantrag wird zu Lebzeiten zwischen der verstorbenen Person und einem Bestattungsinstitut geschlossen und hält ebenfalls alle Einzelheiten zu der gewünschten Bestattung fest. Liegt der Antrag vor, informiere umgehend das zuständige Bestattungsunternehmen.
  • Einreichung von Urlaub
    Kannst du dir Urlaub nehmen?  Urlaub in dieser Zeit gibt dir zusätzliche Zeit für die Bewältigung aller anstehenden Aufgaben und mehr Freiraum zum Trauern. Besprich mit deinem Arbeitgeber auch die Regeln für Sonderurlaub nach einem Todesfall.

Aufgaben innerhalb der ersten drei Tage nach dem Todesfall

  • Wahl des Bestattungsunternehmens
    Die Wahl eines guten Bestattungsunternehmens ist wichtig, denn dieses wird dir in den ersten Tagen nach dem Todesfall unterstützend zur Seite stehen.  Worauf du bei der Auswahl achten solltest, haben wir dir in einem anderen Artikel aufgelistet. Liegt ein Bestattungsvorsorgeantrag vor? Dann wende dich direkt an das festgelegte Unternehmen.
  • Wahl der Bestattungsart
    Eventuell hat die verstorbene Person die Bestattungsart bereits schriftlich festgehalten oder einen Wunsch geäußert. Falls keine Festlegung der Bestattungsart vorliegt, obliegt die Entscheidung den Angehörigen.  Welche Bestattungsarten es gibt und welche Vor- und Nachteile sie haben, haben wir dir in einem anderen Artikel zusammengestellt.
  • Terminfestlegung für die Trauerfeier
    Der Zeitraum in dem die Beisetzung stattfinden muss, wird von den jeweiligen Gesetzen des Bundeslandes bestimmt. Frage hierzu am besten dein Bestattungsunternehmen. Sie können dir auch bei der Terminkoordination zwischen dem Friedhof, dem Veranstaltungsort der Trauerfeier und allen weiteren Beteiligten helfen.
  • Veranlassung der Überführung der verstorbenen Person
    Das Bestattungsunternehmen wird dir helfen, die Überführung zu organisieren. Sie muss zeitnah nach dem Todesfall stattfinden. Die Zeiträume sind in den Bestattungsgesetzen des jeweiligen Bundeslandes festgeschrieben.
  • Beantragung der Sterbeurkunde
    Die Sterbeurkunde bescheinigt den Tod einer verstorbenen Person. Beantragt wird die Sterbeurkunde beim Standesamt. Meist kümmert sich das Bestattungsunternehmen um die Ausstellung. Jetzt kommt deine Mappe mit den wichtigen Unterlagen zum Einsatz. Du brauchst den Personalausweis, die Geburtsurkunde und den Totenschein der verstorbenen Person. Achte darauf, dass du die Sterbeurkunde in mehrfacher Ausführung erhältst. Du brauchst sie zum Beispiel für die Krankenkasse und die Rentenversicherung.
  • Benachrichtigung des Standesamtes
    Das Standesamt muss binnen drei Werktagen über einen Todesfall informiert werden. Oft übernimmt diese Aufgabe das Bestattungsunternehmen.
  • Einreichung des Testaments
    Existiert ein Testament? Wenn ja, dann übergib es unverzüglich an das Nachlassgericht am letzten Wohnort der verstorbenen Person.
  • Benachrichtigung des Arbeitsgebers
    Informiere den Arbeitgeber der verstorbenen Person so schnell wie möglich. Je nach Arbeitgeber und Arbeitsverhältnis kann es vorkommen, dass ein Arbeitgeber auch eine Todesanzeige in der Zeitung schalten möchte oder eine andere Geste zur Beileidsbekundung tätigt.
  • Benachrichtigung der Versicherungen
    Informiere schnellstmöglich die Versicherungen der verstorbenen Person. Wichtig sind hier besonders die Kranken- und Rentenversicherung, sowie die Lebens-, die Sterbegeld- und die Unfallversicherung.
  • Klärung der Wohnangelegenheiten
    Je nach Wohnsituation kann es wichtig sein, sich unmittelbar nach dem Todesfall um den Haushalt zu kümmern. Dazu gehören die Versorgung von Haustieren, aber auch die Kündigung des Mietvertrages, sowie von Strom-, Wasser-, Gas-, Telefon- und Internetverträgen.
  • Zugriff auf Bankkonten der verstorbenen Person
    Besteht eine Bankvollmacht? Wenn ja, kann der oder die Bevollmächtige auf die Konten zugreifen.  In der Regel werden Erben der verstorbenen Person auch verfügungsbefugt. Der Zahlungsverkehr sollte geprüft und eventuell beendet werden. Kläre deine Fragen zu den Bankkonten und den Vollmachten direkt mit der zuständigen Bank.
  • Abholen von Eigentum
    Hat die Person Eigentum am Wohnort und am Arbeitsplatz hinterlassen, welches abgeholt werden muss? Das Abholen von Eigentum ist oft ein schwerer, aber wichtiger Schritt in der Trauer.  Wenn du aber das Gefühl hast, dass dir das Abholen des Eigentums zu viel ist, bitte eine dir nahestehende Person um Hilfe.

Aufgaben vor der Trauerfeier

  • Kenntnisnahme des Nachlasses
    Die Sichtung des Nachlasses ist ein wichtiger Schritt, um Fragen wie z. B. die Finanzierung der Bestattung zu klären. Für den Zugriff auf die Konten der verstorbenen Person brauchst du eine Bankvollmacht. Ohne Bankvollmacht hat man zwar keinen direkten Zugriff auf die Konten, jedoch hat man als Erbe einen Auskunftsanspruch gegenüber der Bank. Eine Erbschaft kann von Erben beim Nachlassgericht auch ausgeschlagen werden, z. B. wenn die verstorbene Person verschuldet war.
  • Wahl des Friedhofs und Grabes
    Wenn die verstorbene Person noch keine Festlegung über die Wahl des Friedhofs und des Grabes getroffen hat, obliegt die Entscheidung den Angehörigen. grievy hat für dich viele hilfreiche Informationen zu den verschiedenen Friedhofs- und Grabformen zusammengestellt, die findest du in einem unserer anderen Artikel.
  • Planung der Trauerfeier
    Eine Trauerfeier kann so individuell geplant werden, wie es gewünscht wird. Da es bei der Planung der Trauerfeier einiges zu Bedenken gibt, hilft dir grievy hier mit einem Trauerfeier-Guide in einem unserer anderen Artikel.
  • Gespräch mit dem Trauerredner
    Ob geistlich oder weltlich – die Trauerfeier wird meist von einem Redner oder einer Rednerin begleitet. Mehr Informationen hat grievy dir im Trauerfeier-Guide in einem unserer anderen Artikel zusammengestellt.
  • Versenden der Trauerkarten
    Die Trauerkarten werden an Angehörige, Freunde, Kollegen und Bekannte der verstorbenen Person verschickt – digital oder per Post.
  • Schalten der Traueranzeige
    Zusätzlich zu oder auch anstelle der Trauerkarten kann eine Zeitungsanzeige geschaltet werden. Informiere dich bei den jeweiligen Zeitungsverlagen über den Rahmen und die Kosten.
  • Bestellung der Floristik
    Du möchtest Blumenschmuck für die Trauerfeier? Floristen bieten eine Vielfalt an Grabschmuck, wie Kränze oder Gebinde.
  • Organisation des Beerdigungskaffees
    Ob bei Kaffee und Kuchen oder bei einem Abendessen, ob im engen Familienkreis oder mit der ganzen Trauergemeinde – die Entscheidung über den Rahmen des Beerdigungskaffees treffen die Angehörigen. Oft kann dir das Bestattungsunternehmen Tipps für passende Restaurants geben. Bitte bei der Reservierung am besten um einen separaten Raum, wenn du eine privatere Atmosphäre wünschst.  Mehr Informationen hat grievy dir im Trauerfeier-Guide in einem unserer anderen Artikel zusammengestellt.

Aufgaben nach der Bestattung

  • Zeit zur Trauerverarbeitung
    Ein sehr wichtiger Punkt, der leider häufig zu wenig Beachtung in den ersten Tagen nach dem Todesfall erhält!  Es steht so viel Organisatorisches an, dass eine wirkliche Auseinandersetzung mit deinen persönlichen Gefühlen oft in den Hintergrund rückt. Du darfst deine Trauer zulassen und sie voll und ganz spüren. In welchen Formen sie sich zeigen wird, ist ganz individuell. grievy wurde von Psychologinnen entwickelt. Hast du schon unser digitales Trauerbegleitungsprogramm entdeckt? Schaue doch einmal hinein! Mit wissenschaftlich geprüften Methoden nimmt grievy dich an die Hand – gemeinsam durch die Trauer.
  • Räumung der Wohnung der verstorbenen Person
    Die Räumung der Wohnung der verstorbenen Person ist ein wichtiger, aber auch schwerer Schritt in der Trauer. Vielleicht möchtest du dir dafür Hilfe von dir nahestehenden Personen holen? Gemeinsam könnt ihr noch einmal durch schöne Erinnerungen schwelgen oder euch gegenseitig zur Seite stehen, wenn die Trauer zu stark wird. Falls die Trauer dich einmal zu stark überrumpelt, schau dir doch einmal die grievy App an. Sie wurde von Psychologinne entwickelt und ist dein persönlicher Trauer Safe Space.
  • Versenden der Danksagungen
    In der Zeit der Trauer erhält man oft einige Beileidsbekundungen. Dafür kannst du dich entweder mit einem persönlichen Dankesschreiben, einer Dankeskarte oder einem Zeitungsinserat bedanken.
  • Kündigung aller Verträge und Abonnements
    Falls du es noch nicht vor der Bestattung gemacht hast, solltest du nun alle Verträge und Abonnements von Versicherungen, der Wohnung und der Freizeitgestaltung der verstorbenen Person kündigen. Dazu gehören Verträge und Abonnements von Versicherungen, Telefonanbietern, Streamingdiensten, Zeitschriften, Verbänden und Sportvereinen. Fällt dir noch etwas ein?
  • Geltend machen der Rentenansprüche
    Verstirbt ein Ehepartner oder ein Elternteil, bestehen eventuell Ansprüche auf Hinterbliebenen- oder Halbwaisenrente. Die Rentenversicherung ist dein Ansprechpartner für alle Fragen zum Thema Rente.
  • Beantragung des Erbscheins
    Den Erbschein beantragst du beim Nachlassgericht. Er bezieht sich auf das Erbrecht zum Zeitpunkt des Erbfalls und bildet unter anderem ab, wer Erbe ist. Erben können sich mit dem Erbschein ausweisen, um über den Nachlass zu verfügen.
  • Löschung von Online-Profilen
    Nahezu jeder Mensch hinterlässt heutzutage einen digitalen Fußabdruck – man spricht auch vom digitalen Erbe einer Person. Kündige die Profile, sofern gewünscht, direkt bei den jeweiligen Betreibern oder lasse sie in Erinnerungsprofile umwandeln sofern das bei dem jeweiligen Anbieter möglich ist.
  • Wahl des Grabsteins
    Da ein Grab nach der Beisetzung in der Regel noch nachsackt, hat man zur Auswahl des Grabsteins mehr Zeit. Wenn ein Grabstein gewünscht ist, bieten Steinmetze viele Inspirationen und stehen dir beratend zur Seite.
  • Sicherung der Grabpflege
    Da ein Grab nach der Beisetzung in der Regel noch nachsackt, hat man für die Wahl der Grabgestaltung und die Sicherstellung der Grabpflege mehr Zeit. Nach circa einem halben Jahr kann ein Grab längerfristig bepflanzt werden. Wenn du es nicht selber machen möchtest, bieten einige Gärtnereien Dienstleistungen zur Grabgestaltung und Grabpflege an.

Alles in einer Checkliste

Nach dem Tod eines Angehörigen kommen viele Aufgaben und Entscheidungen auf die Hinterbliebenen zu. In der tiefen Trauer und dem Schock des Todesfalls, kann die Bewältigung dieser Aufgaben besonders schwerfallen. In dieser Checkliste erfährst du, an was du nach einem Todesfall denken musst.

Wenn die Trauer zu groß wird

Die ganzen Aufgaben und Entscheidungen können in der Trauer eine große Belastung darstellen. Vielleicht lösen sie bei dir Gefühle von Überforderung, Einsamkeit oder Ohnmacht aus. Grievy unterstützt dich in der Trauer. Unsere interaktive App ist dein Trauer Safe Space – entwickelt von Psychologinnen und aus dem eigenen Verlusterleben unserer Gründer heraus. Wir wissen wie sich Trauer anfühlt und möchten dich auf deinem Weg in der Trauer unterstützen.

Trauer führt zu Entfremdung zwischen Eltern und Kindern

Distanzierung im Allgemeinen

Eine Distanzierung von den Eltern ist bei jungen Erwachsenen häufig zu beobachten. Der Wunsch nach Eigenständigkeit und Unabhängigkeit ist völlig normal und kann Einfluss auf das Familienverhältnis nehmen. Die Distanzierung zu den Eltern kann sich dabei unterschiedlich stark entwickeln. Doch wusstest du, dass es Unterschiede gibt bezüglich der Beziehungen zu Müttern und Vätern? Rund 20 % der Heranwachsenden distanzieren sich von ihrem Vater und nur rund 9 % von ihrer Mutter.

Eine Distanzierung kann physischer oder emotionaler Natur sein. Beispiele hierfür sind die Reduzierung von Telefonaten oder Besuchen. Eine emotionale Distanzierung äußert sich mehr über das Gefühl der Verbundenheit mit dem betroffenen Elternteil. Die Verbundenheit kann dabei stark abnehmen und verbindende Gesprächsthemen können ausbleiben.

Doch was hat das jetzt mit Trauer zu tun?

Verlust als extremer Kontaktabbruch

Der Verlust eines geliebten Menschen kann als eine extreme Form des Kontaktabbruchs gesehen werden. Bei dem Verlust eines Elternteils findet somit eine mehr oder weniger unerwartet und ungewollte absolute Distanzierung zum verlorenen Elternteil statt. Diese Form des Kontaktabbruchs ist besonders schwierig zu verarbeiten und kann auch das Verhältnis zum verbleibenden Elternteil beeinflussen. Kommt es zu einer Distanzierung zum verbleibenden Elternteil spricht man auch häufig von einer Entfremdung. Diese kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und unterschiedlich lang anhalten.

Eine solche Entfremdung kann für alle Beteiligten sehr belastend sein. Doch welche Faktoren können eine Entfremdung beeinflussen?

Einflussfaktoren

Nach dem Verlust eines Elternteils, kann es zu einer Entfremdung gegenüber dem verbleibenden Elternteil kommen. Hier erklären wir dir, welche Faktoren Einfluss nehmen können.

Die Beziehung zu den Eltern ist sehr individuell und das Familienverhältnis kann sich nach einem Verlust verändern. Besteht ein gutes Verhältnis und seitens des Kindes eine positive Einstellung, die Familie zu unterstützen, tritt eine Entfremdung eher seltener ein.

Wenn es im Laufe der Kindheit bereits Ereignisse gab, die das Familienleben belastet haben, kann die Wahrscheinlichkeit für eine Entfremdung steigen. Beispiel hierfür kann eine Trennung der Eltern sein und das Hinzukommen eines Stiefelternteils. Durch solche Ereignisse wurde das Familienverhältnis bereits einmal auseinandergetrieben und wird komplexer.

Doch wie geht man mit der Entfremdung zwischen Kind und Elternteil nach einem Verlust um? Wie kann man als Außenstehender in einer solchen Situation gut unterstützen?

Umgang mit Entfremdung

Die Entfremdung zwischen Kindern und Eltern kann das Familienverhältnis unterschiedlich stark belasten. Bei einer Entfremdung nach dem Verlust eines Elternteils leidet das Familienverhältnis besonders stark. Es ist wichtig, dass man jedem Familienmitglied die Zeit und den Raum gibt, den es im Umgang mit der eigenen Trauer braucht. Ein besonders enges Familienverhältnis nach einem Verlust zu erzwingen kann oft den gegenteiligen Effekt bewirken.

Wie zu Beginn erwähnt, verändert der Verlust eines geliebten Menschen die Hinterbliebenen. Diese Veränderung kann unterschiedliche Formen haben. Diese Veränderungen der Personen kann zusätzlich zu einer Veränderung des Familienverhältnisses führen. Ein Beispiel hierfür könnte sein, dass sich Ansichten und Meinungen des verbleibenden Elternteils verändern aufgrund des erfahrenen Verlustes. Doch vielleicht finden diese Meinungsänderungen kein Verständnis seitens des Kindes oder führen sogar zu einer Ablehnung. Das Kind kann sich nicht mehr so gut mit dem verbleibenden Elternteil identifizieren und nimmt Abstand. Hinzu kommt die Verarbeitung des Erlebten und mögliche Änderungen der Persönlichkeit.

All dies kann zu einem Ungleichgewicht in der Familie führen und die Harmonie stören.

Doch diese Veränderungen sind nicht zwingend von langer Dauer. Wie lange eine Entfremdung andauert und welches Ausmaß diese annimmt ist sehr verschieden.

Als Außenstehender kann man unterstützen und als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Inwieweit Betroffene über das Erleben der Entfremdung reden wollen ist individuell und sollte mit Feingefühl und Empathie unterstützt werden. Es kann helfen, Verständnis für die einzelnen Personen und deren Verhalten zu zeigen anstatt sie zu verurteilen. Es gibt Gründe für das Verhalten von Trauernden und diese sollten niemals übergangen oder in den Hintergrund gestellt werden.

Doch was, wenn es nun zum Kontaktverlust gekommen ist und das Familienverhältnis sehr stark leidet? Was kann man als Außenstehender dazu beitragen, dass die Personen wieder zueinander finden?

Was kannst du tun?

Im schlimmsten Fall kann eine Entfremdung bis hin zum Kontaktverlust gehen. Geschwister und Mutter/Vater können sich dadurch stark verunsichert fühlen. Es ist wichtig zu wissen, dass die meisten erwachsenen Kinder sich nicht dauerhaft vom verbliebenen Elternteil entfernen. In der Regel ist es ein einmaliges Ereignis und auch nicht für immer. Wann sich der Kontakt wieder aufbaut, kann man nicht genau sagen. Es ist wichtig, dass du der Person, die sich zurückzieht, Raum und Zeit gibst mit der Trauer und dem Verlust umzugehen. Jeder trauert anders, dränge die Person nicht. Versuche empathisch und wertschätzend zu bleiben.

Du brauchst jetzt unmittelbar eine Strategie, um dich abzulenken oder etwas zu entspannen? Dann schau im „SOS Bereich“ unserer App vorbei! 💛

Quellen

Arranz Becker, O., & Hank, K. (2022). Adult children’s estrangement from parents in Germany. Journal of Marriage and Family, 84, 347-360. https://doi.org/10.1111/jomf.12796.

Was ist Trauer?

Individuelle Trauer 👥

Genauso individuell wie jeder Mensch ist, kann sich auch Trauer bei jedem Menschen ganz unterschiedlich ausdrücken. Vielleicht musst du weinen, wenn du Trauer empfindest. Aber jemand anderes reagiert wütend? Vielleicht möchtest du viel über deine Trauer und das Erlebte sprechen, jemand anderes scheint seine Trauer komplett zu verdrängen und so weiterzumachen wie vor dem erlebten Verlust?

Genau hier zeigt sich, dass jeder Mensch mit seiner Trauer anders umgeht und sie anders ausdrückt. Da sich Trauer bei jedem Menschen anders zeigen kann, sind manche Verhaltensweisen von anderen für dich vielleicht unverständlich. Doch die Individualität, die mit der Trauer einhergeht, erfordert viel Verständnis. Denn generell gilt: Alles was dir in deiner Trauer hilft und dir gut tut, ist erlaubt. Doch wie unterschiedlich kann sich Trauer überhaupt äußern?

Ganzheitliche Trauer 🌕

Neben der Individualität wird Trauer als ganzheitlich beschrieben. Doch was bedeutet das? Ganzheitlich meint, dass du die Trauer auf allen Ebenen spürst. Also in deinen Gedanken, in deinem Verhalten, in deinen Gefühlen und in deinem Körper. Erinnere dich einmal an die letzte Situation, in der du starke Trauer empfunden hast. Was hast du gespürt? Welche Gedanken sind dir durch den Kopf gegangen? Wie hat dein Körper reagiert?

Vielleicht spürst du Trauer auf allen Ebenen gleichermaßen oder vielleicht spürst du deine Trauer aktuell in deinem Gefühlserleben, in deinen Gedanken, in deinem Verhalten oder deinem Körper besonders stark. Dein Erleben der Trauer kann sich dabei auch von Zeit zu Zeit ändern und damit nimmst du eine Ebene auf einmal stärker wahr als zuvor. Wusstest du, dass sich Trauer auf jeder dieser Ebenen in ganz unterschiedlichen Reaktionen zeigen kann?

Komplexe Trauer 🌪

Trauer kann sich ganzheitlich zeigen, also in deinen Gedanken, in deinem Verhalten, in deinen Gefühlen und in deinem Körper. Auf jeder dieser einzelnen Ebenen kann sich deine Trauer auf eine sehr komplexe Art und Weise zeigen. Schauen wir uns ein paar Beispiele an. Schau einmal, welche der folgenden Reaktionen du bei dir schon einmal beobachtet hast:

  • Gefühle: z.B. Schockzustand, Angst, Verzweiflung, Wut, Einsamkeit, Traurigkeit, Sehnsucht
  • Gedanken: z.B. Leugnen des Verlustes, existenzielle Fragen über das „wie soll es nur weitergehen?“, Grübeln
  • Verhalten: z.B. Konzentrationsschwierigkeiten, Schwierigkeiten alltägliche Dinge zu erledigen, sich ganz viel Ablenken, das Nichts-Mehr-Tun-Wollen, Schlafprobleme
  • Körper: z.B. Erschöpfung, Herzrasen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Übelkeit, Nervosität, Schwitzen, Schlappheit

Kommt dir davon auf jeder Ebene etwas bekannt vor? Fallen dir noch weitere Reaktionen ein?

Alles in allem

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sich Trauer in deinen Gefühlen, deinen Gedanken, deinem Verhalten und deinem Körper auf viele verschiedene Arten zeigen kann. Nur weil du anders trauerst als andere Personen, heißt das überhaupt nicht, das du falsch trauerst oder deine Trauer nicht wichtig ist. Jeder Mensch trauert auf seine eigene Art und Weise und das ist okay. Hast du bei dir eine Ebene herausgefunden, die dich aktuell besonders beschäftigt? Dann schau doch hier einmal im Kurs Bereich unserer App vorbei. Zu jeder Ebene findest du dort Strategien, die dir helfen können.

Quellen

Gross, R. (2018). The psychology of grief. UK: Routledge. https://doi.org/10.4324/9781315110127

Lammer, K. (2014). Trauer verstehen (4. Aufl.). Springer Berlin Heidelberg.

Die 5 Phasen der Trauer – Mythos oder Fakt?

Trauerphasen

Wenn du dich schon einmal mit den Trauerphasen beschäftigt hast, bist du bestimmt über das 5-Phasen-Modell von Elisabeth Kübler-Ross gestolpert. Das Modell besagt, dass Trauer fünf verschiedene Phasen durchläuft: Verweigerung, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Ursprünglich wurde das Modell für den Verlauf des Sterbens aufgestellt, aber angeblich sei es übertragbar auf den Verlauf der Trauer. Doch ist es das wirklich?

Das Problem mit den Phasen

Die Trauerphasen wurden in der Wissenschaft schon oft versucht nachzuweisen – doch ohne Erfolg. Sie konnten nicht bestätigt werden. Das Problem der Trauerphasen ist, dass sie aussagen, dass jeder Mensch in einem ähnlichen Muster trauert. Wie die aktuelle Forschung und Erkenntnisse aus der Psychologie jedoch zeigen, ist Trauer ein sehr individueller Prozess.

Das bedeutet, dass sich Trauer für jeden Menschen anders anfühlt und anders ausdrückt. Trauer zeigt sich in unterschiedlichen Gefühlen, Gedanken und Verhaltensweisen. Diese Individualität können derzeitige Phasenmodelle jedoch nicht abbilden. Es existiert kein Muster, welches zu jeder Trauer passt und Phasen der Trauer vorhersagen lässt.

Warum falsche Modelle gefährlich sind

Phasenmodelle wie das 5-Phasen-Modell können manchen Menschen Hoffnung spenden. Es kann die Trauer greifbarer machen, Ungewissheit nehmen und auch Ängste lindern. Doch ein Modell zu verbreiten, welches es in dieser Form nicht gibt, birgt auch einige Risiken. Wenn du dich mit deiner Trauer in dem Modell nicht wiederfindest, kann schnell der Eindruck entstehen, „falsch“ zu trauern.

Ebenso kann es Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht hervorrufen, wenn man nicht in die vorgegebenen Phasen der Trauer passt. Also keine Sorge, falls du dich bisher nicht in dem Modell wiedergefunden hast. Aber wie können wir Trauer denn dann greifbar machen und beschreiben?

Trauer definiert und erklärt

Anstatt von Phasenmodellen auszugehen, beschreiben Psychologen Trauer auf verschiedenen Ebenen. Welche das sind, erfährst du in diesem Artikel.

Quellen

Wittwer, H., Schäfer, D. & Frewer, A. (2020). Handbuch Sterben und Tod (2. Aufl.). Springer.

Corr, C. A. (2020). Elisabeth Kübler-Ross and the “five stages” model in a sampling of recent American textbooks. OMEGA-Journal of Death and Dying, 82, 294-322. https://doi.org/10.1177/0030222818809766.

Warum sich Trauer durch Alkohol verstärkt

Alkohol – das passiert in deinem Körper

Der Wunsch, den Kopf in der Trauer einfach einmal freizubekommen oder die Gefühle und Gedanken abzuschalten, führt manchmal zu (übermäßigem) Konsum von Alkohol. Denn Alkohol gibt uns kurzfristig positive Gefühle: Wir fühlen uns entspannt, weniger ängstlich und haben den Eindruck für einen Moment abschalten zu können.

So verbessert sich kurzfristig unsere Stimmungslage und es kann das Gefühl entstehen, dass wir uns von unserer Trauer distanzieren können. Das liegt daran, dass Alkohol in deine Gehirnchemie eingreift. Alkohol steuert die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe. Dabei verstärkt Alkohol die Ausschüttung von bremsenden Botenstoffen und verringert die Ausschüttung von erregenden Botenstoffen. Die Folge: Du fühlst dich kurzfristig entspannt und weniger ängstlich!

Klingt super? Es gibt aber einen Haken!

Rebound Effekt oder warum Trauer im Hangover besonders stark ist

Du hast eine Nacht mit etwas viel Alkohol hinter dir und deine Trauer fühlt sich heute doppelt so stark an? Du fühlst dich ängstlicher, bist nicht gut drauf und grübelst viel? Wenn dir das Szenario bekannt vorkommt, hast du den Rebound-Effekt von Alkohol erlebt.

Das Problem am Entspannungseffekt von Alkohol ist nämlich, dass es nur ein kurzfristiger Effekt ist. Langfristig kehrt sich der Effekt einfach um! Der sogenannte Rebound-Effekt von Alkohol beschreibt, dass im Anschluss an den Alkoholkonsum vermehrt Botenstoffe ausgeschüttet werden. Diese führen dazu, dass du 24 bis 48 Stunden nach dem Alkoholkonsum ängstlicher, depressiv verstimmter oder angespannter sein wirst und mehr grübelst.

Doch was macht es so schwer, Alkohol einfach ganz wegzulassen?

Langfristige Folgen

Das Problem an der Wirkung von Alkohol auf deinen Körper ist, dass sich dein Körper nur die unmittelbare, positive Wirkung merkt. Viele Trauernde verbinden mit Alkohol Entspannung und Sorgenfreiheit, obwohl Alkohol genau das Gegenteil bewirkt.

Regelmäßiger Konsum führt zu einem nachhaltigen Durcheinander in deiner Gehirnchemie. Dabei reicht schon eine geringe Menge wie ein- bis zweimal die Woche. Anstatt einen langfristigen Entspannungseffekt zu verspüren, reduziert sich die körpereigene Fähigkeit zur Entspannung. Daher möchten wir Dir gerne einige alternative Entspannungsstrategien vorstellen.

Abhilfe gegen den Rebound

Wenn du bemerkst, dass dein Alkoholkonsum in der Trauer angestiegen ist oder du das Gefühl hast, dass der Konsum eine bewährte Problemlösestrategie für dich ist, gibt es einiges, was du dagegen machen kannst. Es besteht kein Grund zur Panik. Folgende Strategien haben sich bei vielen Trauernden bereits bewährt:

  • Schärfe deine Selbstwahrnehmung und protokolliere deinen Konsum. Schreibe auf, in welchen Situationen du was und wie viel konsumiert hast. Überlege dann weiter, welches Bedürfnis in dieser Situation im Vordergrund stand und wie du es alternativ befriedigen kannst.
  • Werte dich nicht ab! Dir fehlt es zurzeit an hilfreichen Alternativen. Das Gute ist: Daran kann man arbeiten! grievy gibt dir in der gesamten App hilfreiche Ideen zu vielfältigen Umgangsstrategien für deine Trauer 💛.
  • Sprich mit einer Person deines Vertrauens darüber.
  • Suche dir bei Bedarf rechtzeitig professionelle Hilfe. Wir ermutigen dich, deine Bedenken oder Fragen mit deinem Arzt zu besprechen.

Du brauchst jetzt unmittelbar eine Strategie, um dich abzulenken oder etwas zu entspannen? Dann schau im „SOS Bereich“ unserer App vorbei! 💛

Quellen

Pitman, A., Stevenson, F., King, M. and Osborn, D. (2020). Self-Reported Patterns of Use of Alcohol and Drugs After Suicide Bereavement and Other Sudden Losses: A Mixed Methods Study of 1,854 Young Bereaved Adults in the UK. Frontiers in Psychology, 11, https://doi.org/10.3389/fpsyg.2020.01024.

Knabbe, J., Protzmann, J., Schneider, N. and Cambridge, S. B. (2022). Single-dose ethanol intoxication causes acute and lasting neuronal changes in the brain. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 119, https://doi.org/10.1073/pnas.2122477119.

Gefühle ausschalten mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten

Wunsch alles in mir abzuschalten

Ein Todesfall kann zu schweren emotionalen Krisensituationen führen. Oft weiß man nicht, wie man mit der Fülle an aufkommenden Gefühlen und Gedanken umgehen soll oder sieht sich nicht in der Lage dazu. Vielleicht wächst bei dir auch der Wunsch nach „einfach mal den Kopf freibekommen“ oder „die Gedanken und Gefühle mal abschalten“. Kommt dir das bekannt vor?

Eine einfache und schnelle Strategie ist dabei der Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamenten wie beispielsweise Schlafmedikamenten. Sie erlauben es uns, unsere Gefühlswelt und Gedankenwelt für einen Moment abzuschalten. Vielleicht fühlt es sich damit während des Konsums oder anschließend so an, als wäre dein Kopf endlich einmal wieder richtig frei und die Schwere, die auf dir lastet, ist für einen kurzen Moment leichter zu ertragen.

Doch sowohl der regelmäßige oder übermäßige Konsum von Alkohol und Drogen als auch die Einnahme starker Schlafmittel hat viele langfristige Effekte, die sich negativ auf dich auswirken können. Die kurzfristige Entlastung kann längerfristig zu einer noch viel stärkeren Belastung führen. Doch ein Schritt nach dem anderen. Warum fühlt sich der Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamenten so an, als würde er uns helfen?

Kurzfristige Entspannung

Alkohol, Drogen und Medikamente sorgen für eine kurzfristige Entlastung. In geringen Mengen haben sie eine entspannende, angstlösende und beruhigende Wirkung. So verbessert sich kurzfristig unsere Stimmungslage und es kann das Gefühl entstehen, dass wir uns von unserer Trauer distanzieren können. Das liegt daran, dass die Substanzen in deine Gehirnchemie eingreifen und bestimmte Botenstoffe ausgeschüttet werden. Alkohol verstärkt beispielsweise die Ausschüttung von bremsenden Botenstoffen und verringert die Ausschüttung von erregenden Botenstoffen. Die Folge: Du fühlst dich kurzfristig entspannt und weniger ängstlich!

Doch genau in dieser kurzfristigen Entlastung besteht ein großes Risiko: Vermehrter Konsum scheint uns im ersten Moment unseren Weg durch die Trauer zu erleichtern. Manchmal ist dieser Weg auch nicht neu und Konsum war auch schon vor einem erlebten Todesfall eine Strategie, um in schwierigen Situationen Stress „abzubauen“ und „einfach mal den Kopf freizubekommen“. Doch je häufiger wir diese Strategie wählen, desto eher werden andere gesunde Strategien zum Umgang mit unserer Trauer in den Hintergrund rücken. So kann es passieren, dass wir immer schneller den Konsum wählen, um eine Entlastung zu erfahren.

grievy möchte dich an dieser Stelle für den Konsum von Medikamenten, Alkohol oder Drogen sensibilisieren und dich ermutigen, deine Bedenken oder Fragen mit deinem Arzt zu besprechen. Darüber hinaus rät grievy von Alkoholkonsum in großen Mengen, der Einnahme starker Schlafmittel oder gar dem Konsum von Drogen dringend ab! Warum?

Langfristige Risiken

Vermehrter oder erhöhter Konsum hat langfristige negative Folgen und Risiken, die die Trauer verstärken können. Dazu gehören Folgende:

  • Der Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamenten kann zum emotionalen Ausschalten führen. Dadurch werden die Trauerverarbeitung und ein gesunder Umgang mit der Trauer verhindert oder erschwert. Das Erlernen neuer Strategien für einen Umgang mit der Trauer und der emotionalen Belastung wird blockiert.
  • Falls bereits in der Vergangenheit eine Abhängigkeit oder eine Neigung zu Konsum bestand, können Personen durch trauerbezogenen Konsum rückfällig werden.
  • Auch bei Personen ohne Abhängigkeit in der Vergangenheit kann eine Suchterkrankung entstehen.

Unterstützung, wenn dein Konsum in der Trauer angestiegen ist

Wenn du bemerkst, dass dein Konsum in der Trauer angestiegen ist oder du das Gefühl hast, dass der Konsum eine bewährte Problemlösestrategie für dich ist, gibt es einiges, was du dagegen machen kannst. Es besteht kein Grund zur Panik. Folgende Strategien haben sich bei vielen Trauernden bereits bewährt:

  • Schärfe deine Selbstwahrnehmung und protokolliere deinen Konsum. Schreibe auf, in welchen Situationen du was und wie viel konsumiert hast. Überlege dann weiter, welches Bedürfnis in dieser Situation im Vordergrund stand und wie du es alternativ befriedigen kannst.
  • Werte dich nicht ab! Dir fehlt es zurzeit an hilfreichen Alternativen. Das Gute ist: Daran kann man arbeiten! grievy gibt dir in der gesamten App hilfreiche Ideen zu vielfältigen Umgangsstrategien für deine Trauer 💛.
  • Sprich mit einer Person deines Vertrauens darüber.
  • Suche dir bei Bedarf rechtzeitig professionelle Hilfe. Wir ermutigen dich, deine Bedenken oder Fragen mit deinem Arzt zu besprechen.

Du brauchst jetzt unmittelbar eine Strategie, um dich abzulenken oder etwas zu entspannen? Dann schau im „SOS Bereich“ unserer App vorbei! 💛

Quellen

Pitman, A., Stevenson, F., King, M. and Osborn, D. (2020). Self-Reported Patterns of Use of Alcohol and Drugs After Suicide Bereavement and Other Sudden Losses: A Mixed Methods Study of 1,854 Young Bereaved Adults in the UK. Frontiers in Psychology, 11, https://doi.org/10.3389/fpsyg.2020.01024.

Knabbe, J., Protzmann, J., Schneider, N. and Cambridge, S. B. (2022). Single-dose ethanol intoxication causes acute and lasting neuronal changes in the brain. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 119, https://doi.org/10.1073/pnas.2122477119.

Dominik

Dominik

Wie war der Tag, als du von dem Tod erfahren hast?

„Jetzt können wir Ihrem Sohn nicht mehr helfen. In 3 bis 4 Stunden wird er hirntot sein. Wie und wann er sterben wird, entscheiden Sie“, sagte die Oberärztin der Kinderintensivstation. Ich erlitt einen Nervenzusammenbruch. Den ersten meines Lebens. Ich schrie so laut, dass mir die Ohren wehtaten.

10 Minuten früher sah alles gut aus. Es ging sogar bergauf. Und nun das? Ich verstand die Welt nicht mehr. Da war so viel Wut, Schmerz, Traurigkeit und vor allem Hilflosigkeit. Ich konnte meinem Sohn nicht helfen, nur noch bei ihm sein und ihn in den Tod begleiten.

Ich hielt stundenlang sein Händchen, wog ihn in meinen Armen, streichelte und küsste ihn. Ich versuchte, diese innige Zeit zu genießen. Schließlich waren das die letzten Stunden, die ich mit ihm verbringen konnte. Ich wollte nicht wahrhaben, dass er im Sterben lag und bald nicht mehr da sein wird. Ich habe ihn doch 9 Monate lang in meinem Bauch getragen und zu Hause alles für ihn vorbereitet. Ich kann doch unmöglich ohne ihn heimfahren.

Was hast du in dieser Zeit gefühlt oder gedacht?

Ich konnte nicht klar denken, stand unter Schock. Eine Krankenschwester schlug vor, noch Hand- und Fußabdrücke von Dominik als Erinnerung zu nehmen. Ich willigte ein. Auch der Taufe stimmte ich zu, obwohl ich all das zum „richtigen“ Zeitpunkt – später – machen wollte. Ein Später gab es aber für meinen Sohn nicht mehr.

Wie hast du ihn in den letzten Stunden vor seinem Tod begleitet?

Es war mir wichtig, die ganze Familie beisammensitzen zu haben, und so ließ ich meine Tochter, die damals 3 Jahre alt war, von meinen Schwiegereltern zur Kinderintensivstation bringen. Und dann saßen wir da: mein Mann mit meiner Tochter auf dem Schoss und ich mit Dominik im Arm. Ein Moment für die Ewigkeit! Könnte man die Zeit stoppen, wäre das der Augenblick gewesen.

Meine Tochter war so stolz, große Schwester zu sein. 5 Tage lang wartete sie, bis sie ihn sehen durfte. Es war ein Hallo und gleichzeitig auch Tschüss. Doch das wusste sie nicht. „Dominik ist so süß“, sagte sie und streichelte ihm sanft über den Kopf. Das war so schön! Leider verging unsere Zeit zu viert viel zu schnell. Meine Tochter musste wieder gehen. Eigentlich hätte sie gar nicht auf die Intensivstation gedurft. Aber in diesem Fall wurde eine Ausnahme genehmigt.

Dominik war ein Kämpfer. Er hielt länger durch, als die Ärzte glaubten, doch irgendwann schwanden seine Kräfte. Die Schwestern stellten nach und nach die Lautstärke an den Überwachungsgeräten der anderen zwei Kinder im Raum aus und dimmten das Licht. Mit diesen kleinen Veränderungen fühlte sich das Klinikzimmer gar nicht mehr so kalt an.

Was ging in den letzten Stunden vor seinem Tod in dir vor?

In den letzten Stunden wankte ich zwischen Hoffnung und Trauer. Ich hoffte auf ein Wunder, wünschte mir, dass irgendetwas passierte und noch alles gut wird. Doch die meiste Zeit weinte ich. Ich trauerte bereits um meinen Sohn, obwohl er warm und weich in meinem Arm lag.

Dann blieb sein Herzchen stehen. Ich wartete, dass es wieder anfing zu schlagen, aber das tat es nicht. Ich war plötzlich eine Sternenkind-Mama und brach zusammen. Da war all die Mutterliebe, die ich Dominik nun nicht mehr schenken konnte, und all der Schmerz, der in meiner Ohnmacht gefangen war. In meinem Buch beschreibe ich diesen Moment so: „Ich schwimme in einem Meer meiner Gefühle und drohe, gnadenlos unterzugehen.“ Ging ich unter? Zum Glück nicht. Mein Mann fing mich auf.

Wie hast du die Zeit bis zur Bestattung erlebt?

Dominik wurde am 3. Tag nach seinem Tod beerdigt. In unserem Bundesland dürfen Tote maximal 4 Tage gekühlt bis zur Beerdigung aufbewahrt werden. Und da wir Dominik weder obduzieren noch verbrennen lassen wollten, musste er innerhalb dieser Frist beerdigt werden. Grausam schnell, wie ich finde.

Die 2 Tage dazwischen erlebte ich wie in Trance. Zum einem, weil ich aufgrund des Not-Kaiserschnitts starke Schmerztabletten nahm, um alle Termine erledigen zu können. Zum anderen, weil ich es einfach nicht begreifen konnte, dass mein heiß geliebter Sohn so plötzlich verstorben war.

Dass das nicht oft vorkommt, merkte ich an den Reaktionen der Menschen, die ebenfalls überfordert waren, sobald ich ihnen von Dominiks Tod erzählte. Kollegen, enge Freunde oder Nachbarn. Selbst der Mitarbeiter des Bestattungsinstituts fragte ungläubig nach und musste schlucken, als er feststellte, dass er sich nicht verhört hatte.

Hast du alle Aufgaben allein erledigt oder hattest du Unterstützung?

Das Bestattungsinstitut übernahm den Großteil der Aufgaben. Sie beantragten die Sterbeurkunde, veranlassten die Überführung unseres Sohnes und koordinierten sogar die Termine mit unserer Pfarrerin. Einen Termin, um ihr unsere Geschichte zu erzählen, damit sie die Trauerrede vorbereiten konnte und einen Termin für die Beerdigung.

Außerdem gab es erste Gespräche mit meiner Hebamme, einer Seelsorgerin und dem Steinmetz. Bei allen Terminen war mein Mann dabei. Auch er hatte sein Kind verloren und trauerte. Gemeinsam stützten wir uns. Auch heute noch (6 Jahre später), wenn es hin und wieder wehtut.

Wie hast du den Tag der Bestattung in Erinnerung?

Am Tag der Bestattung blitzte morgens schon die Sonne hinterm Vorhang hervor. Sie wollte mich aus dem Bett locken. Erst freute ich mich über ihre warmen Strahlen, dann erinnerte ich mich: Mein Sohn ist tot und heute wird er beerdigt. Ich zog mir die Decke über den Kopf, wollte wieder einschlafen und wünschte mir, den Tag einfach zu verschlafen.

Würdest du sagen, die Bestattung war ein wichtiger Schritt für dich, um Abschied zu nehmen?

Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nicht im Bett liegen geblieben bin, denn die Bestattung war sehr wichtig für mich und meine Trauerbewältigung. Die Sonne schien den ganzen Tag. Kurz bevor die Pfarrerin eintraf, zeigte das Thermometer 28° Celsius an, Ende September. Um meinen Sohn ein letztes Mal zu sehen und mich zu verabschieden, zog ich dennoch eine Jacke über. Die Aufbahrungsräume sind doch immer kühl. Auf dem Weg dorthin begleiteten mich gemischte Gefühle. Ich freute mich, meinen Sohn noch einmal sehen zu dürfen. Allerdings war es das letzte Mal.

Als die Tür aufging, war es wieder um mich geschehen. Die Ohnmacht und Hilflosigkeit hatten mich voll im Griff. Da lag er, mein Dominik, mein Sohn, mein Bärchen. Er sah aus, als ob er schlief. War er wirklich tot? Ich streichelte und küsste ihn. Er war kalt. Eiskalt! Diese Kälte habe ich gebraucht, um zu begreifen, dass sein Tod endgültig ist. Er würde nicht mehr zurückkommen. Das war mir nun klar.

Was ist dir an der Bestattung positiv in Erinnerung geblieben?

Die Trauerrede war wunderschön. Die Pfarrerin bezog wichtige Details aus Dominiks Geschichte sowie unsere Tochter und ihre Taufe mit ein. Es fühlte sich gut an, auch wenn es gleichzeitig schrecklich wehtat. Und immerzu schien die Sonne. Ihre Strahlen drangen sogar durch die bunten Mosaikfenster hindurch, sodass sich faszinierende Farbspiele auf dem Boden ergaben. Dominik hätte das bestimmt gefallen.

Das Abschiednehmen am Grab war sehr schwer. Das war der allerletzte gemeinsame Weg. Nach dem Fallenlassen der Rose und dem Hinunterrieseln der Erde fing ein neues Kapitel meines Lebens an. Das Leben danach.

Wie hast du die Zeit nach der Beerdigung wahrgenommen?

In den ersten Tagen nach der Beerdigung schwebte ich im Nirgendwo. Täglich begrüßten mich die Ohnmacht, Hilflosigkeit und Ungläubigkeit. Das Leben zog an mir vorbei und ich konnte lediglich zuschauen. Ich fragte mich immer wieder: Wie soll ich nur ohne meinen Sohn weiterleben? Wie soll ich meine Trauer um ihn verarbeiten? Und kann ich je wieder glücklich werden?

Da waren all diese Gefühle und Gedanken, die ich zuvor nie gespürt habe. Sie kreisten permanent in meinen Kopf. Tag für Tag. Nacht für Nacht. Ich fing an, alles aufzuschreiben. Ich versuchte, ein Muster zu erkennen. Meine Erkenntnis: Trauer folgt keinem Muster.

Gab es bestimmte Lichtblicke für dich in dieser Zeit?

Etwa 2 Monate nach dem Tod meines Sohnes begann der Rückbildungskurs, einer für verwaiste Mütter. Unsere Kinder waren alle verstorben, dennoch brauchten auch unsere Körper ein wenig Training. Einmal die Woche fand der Kurs statt und vor den Übungen gab es immer eine Gesprächsrunde. Wir sprachen über unsere Sternenkinder, unsere Trauer und vor allem darüber, wie wir den Alltag ohne unsere Babys bewältigten.

In dieser Runde fühlte ich mich wohl. Hier konnte ich offen reden. Die anderen wollten wirklich wissen, wie es mir geht. Sie waren an meinem Sohn genauso interessiert wie ich an ihren Kindern und ihren Geschichten. Niemand musste sich rechtfertigen. Diese Gruppe, die auch nach dem Ende des Kurses weiterhin bestehen blieb, war neben dem Schreiben meine größte Stütze.

Gab es emotionale Rückschläge? Sind sie in bestimmten Situationen aufgetreten und wie bist du damit umgegangen?

Hochschwangere in meiner direkten Nähe machten mir Angst, frischgeborene Babys konnte ich nicht sehen und die Meldung über schwere Geburten (obwohl am Ende alles gut ging) trafen mich jedes Mal mitten ins Herz. Erst schrieb ich alles nieder, dann besprach ich es mit meinen Mädels aus dem Kurs. Diese Strategie funktionierte gut für mich. Ich stellte mich herausfordernden Situationen, weil ich wusste, dass ich sie schaffen würde. Nur mit Konfrontation würde ich irgendwann wieder positiv nach vorne blicken können.

Ich übte also Alltag, ging wieder arbeiten und unternahm Ausflüge mit meiner Familie. Ich spürte das Leben und ab und zu schlichen sich Glücksgefühle ein. Ich war glücklich, die Zeit mit meinem Sohn gehabt zu haben. Ich durfte ihn kennenlernen, streicheln, küssen, liebhaben. Ich konnte ihn wickeln, ihn füttern und ihm vorsingen. Er war da und diese Zeit konnte mir niemand wegnehmen.

Das Gefühlschaos ging in die nächste Runde. Nach der akuten Phase des Nicht-Begreifen-Wollens habe ich seinen Tod akzeptiert. Nun schwankte ich zwischen den Welten: Ich trauerte der Vergangenheit mit meinem Sohn hinterher und freute mich gleichzeitig auf jeden neuen Tag, den ich weiterhin mit ihm im Herzen erleben durfte. Denn auch ich habe nur ein Leben und diese Not-OP lebend überstanden.

Wie waren die Reaktionen aus deinem Umfeld?

Einst gute Bekannte wechselten die Straßenseite, wenn sie mich sahen. Bloß nicht mit der Frau reden, die ihr Kind beerdigen musste. Doch nicht alle Reaktionen waren derart extrem. Es gab auch einige Freunde und Bekannte, die zugaben, nicht mit unserem Schicksal umgehen zu können. Es blieb somit ruhig, aber ich wusste, woran ich bin. Das war mir immer noch lieber als komplette Stille. Umso mehr half mir das Schreiben. Ich konnte all meine Gedanken rauslassen, die kaum jemand hören wollte.

Je mehr Monate vergingen, desto mehr schwierige Situationen bewältigte ich. Mit jeder einzelnen setzte ich mich auseinander. Ich fand sogar nach und nach den Mut, Menschen, die mir verletzende Sprüche wie „Ihr seid doch noch jung. Bekommt ihr eben noch ein Kind“ oder „Wer weiß, wozu das gut war“ entgegenbrachten, aufzuklären. Anfangs noch unter Tränen, schließlich stellte ich mich jedes Mal meiner eigenen Trauer. Doch irgendwann voller Stolz, denn Dominik war ein toller Junge, der bis zum Ende kämpfte. Er kämpfte, damit ich ihn kennenlernen durfte.

Wie schaust du heute auf alles zurück?

Heute (6 Jahre später) bin ich wieder glücklich. Ich kann mein Leben ohne schlechtes Gewissen genießen. Immer mit Dominik im Herzen. Die Trauer wird nie ganz verschwinden. Besondere Tage wie sein Geburtstag, Todestag oder Weihnachten werden immer wehtun. Aber jedes Jahr ein bisschen weniger.

Was hat dir geholfen, die Trauer zu akzeptieren?

Dominik schenkt mir häufig ein Lächeln – immer, wenn die Sonne scheint. Situationen wie diese haben mir geholfen, meine Trauer zu akzeptieren. Nur weil mein Sohn tot ist, heißt es nicht, dass er aus meinem Leben verschwunden ist. Er hat einfach einen anderen Platz eingenommen. Er ist und bleibt für immer in meinem Herzen und er hat mich gelehrt, was wichtig im Leben ist: Liebe, Familie und Gesundheit. Ich bin sehr dankbar, dass ich seine Mama sein darf.

Was hat dir geholfen, wieder eine Perspektive im Leben zu finden?

Mein Leben hat sich nicht grundlegend verändert, dennoch habe ich mich intensiv mit den Themen Tod, Trauer und Kindsverlust auseinandergesetzt. Ich habe ein Sternenkind-Buch veröffentlicht. Ich erzähle nicht nur meine und Dominiks Geschichte, sondern beschreibe, was ich gefühlt habe – beim Kinderwunsch, der Geburt, den 5 Tagen zwischen Hoffen und Bangen, dem Tod und dem „Leben danach“. Ich möchte Betroffenen Mut machen und ihnen zeigen, dass man wieder positiv in die Zukunft schauen kann, auch wenn einem so etwas Furchtbares passiert ist. Und ich möchte Nicht-Betroffenen zeigen, was sie tun können, um Betroffenen zu helfen. Denn auch sie fühlen sich oft hilflos.

Ich bin außerdem Teil des Sternenbands, dem Erkennungszeichen für Sterneneltern, und engagiere mich im Verein „Unsere Sternenkinder Rhein Main e.V.“. Andere Betroffene in ihrer Trauer zu unterstützen, hilft ungemein.

Hast du einen Rat für jemanden, der gerade eine ähnliche Situation durchlebt?

Mein Rat an jeden Menschen da draußen: Lass die Trauer zu. Als Betroffene aber auch als Nicht-Betroffene. #gemeinsammehrerreichen

Hans-Peter

Hans-Peter

Wie war der Tag, als du von dem Tod erfahren hast?

Mein Vater ist an einem frühlingshaften Sonntag im März 2012 gestorben. Es war der Tag vor meinem Abitur. Ich war an dem Morgen mit meiner Mutter im Gottesdienst, meine jüngere Schwester ist zuhause geblieben und mein Vater war mit ein paar Freunden hobbymäßig Fußball spielen. Mein Vater war sportlich, Nichtraucher, hat nie getrunken, war gerade mal 52 Jahre alt und hat doch plötzlich beim Fußballspielen einen Herzinfarkt erlitten.

Ein Mitspieler hat ihn noch beatmet bis die Notärztin kam. Über eine Nachbarin, dessen Mann in derselben Mannschaft gespielt hat, hat meine Schwester als Erste von dem Unglück erfahren. Sie ist direkt zum Sportplatz gefahren, wo sie leider gesehen hat, wie mein Vater mit dem Defibrillator behandelt wurde. Nach dem Gottesdienst konnten meine Mutter und ich auch endlich erreicht werden (wer uns angerufen hat, weiß ich nicht mehr) und wir sind sofort zum Unfallort gefahren.

Mein Vater war bereits im Krankenwagen eingeladen und die Notärztin sagte uns zur Beruhigung noch, dass er eine 70 prozentige Überlebenschance hat. Meine Mutter ist mit ins Krankenhaus gefahren, meine Schwester zu einer Freundin und zu mir kam mein damaliger Freund. Es vergingen ein paar Stunden bis eine Nachbarin (nicht die oben erwähnte, sondern eine andere, die zum Glück auch Sozialarbeiterin ist) zu uns herüberkam, um uns mitzuteilen, dass mein Vater im Krankenhaus gestorben ist, dass die Ärzt:innen nichts mehr für ihn tun konnten.

Meine Mutter hatte es nicht über sich gebracht, uns angerufen und daher die Nachbarin informiert. Diese hat uns daraufhin auch ins Krankenhaus gefahren, wo bereits meine Mutter, gute Freunde meiner Eltern und der Krankenhausseelsorger auf uns gewartet haben. Nach einem Gespräch mit dem Pfarrer durften wir nochmal zu meinem Vater. Eine Krankenpflegerin hat mich und meinen damaligen Freund zu der Leiche begleitet. Ich weiß noch, dass ich die Krankenpflegerin ganz entsetzt gefragt habe, ob sie es nicht schrecklich findet, in ihrem Beruf so viele Familiendramen und Tode mitzubekommen. Sie musste damals auch fast weinen.

Das Gesicht meines Vaters war bereits leicht aufgedunsen und etwas gelblich, aber ansonsten war es nicht so schlimm ihn tot zu sehen. Ein paar Tage später im Beerdigungsinstitut wollte ich ihn aber nicht mehr sehen, da ich Angst hatte, dass er bereits zu entstellt war.

Was hat euch an diesen schweren Tagen geholfen?

Der restliche Tag nach dem Tod meines Vaters war total verrückt. Obwohl es das schlimmste Erlebnis in meinem Leben war, war der Tag nach seinem Tod auf komische Weise auch schön: Auf einmal saßen alle Nachbar:innen bei uns im Esszimmer, die es sonst nie schaffen sich alle gemeinsam zu treffen, haben Kerzen für uns angezündet und für uns Essen gemacht.

Tagelang standen plötzlich Suppentöpfe und Süßigkeiten vor der Tür. Eine Nachbarin hat mich zu meiner besten Freundin ein paar Straßen weiter gebracht, damit ich ihr auch die schrecklichen Neuigkeiten überbringen konnte. Später am Tag musste ich meinen Schuldirektor anrufen, um ihm vom Todesfall zu berichten und um ihm zu sagen, dass ich vermutlich das Abitur nicht mitschreiben kann. Er kannte meinen Vater auch persönlich und war daher sehr betroffen.

Glücklicherweise hat er mit geraten, dass Abitur regulär mitzuschreiben, auch wenn es hart werden könnte. Er meinte, dass ich jetzt noch unter Schock stehe und daher das Abitur vermutlich besser verkraften würde als in ein paar Wochen, wenn ich alles realisiert habe. Damit hatte er zum Glück Recht – ich habe mein Abitur in völliger Trance geschrieben, aber es wurde trotzdem ziemlich gut und ich war froh, alle vier Prüfungen vor der Bestattung fertig zu haben.

Wie war die Zeit bis zur Bestattung für dich?

Genau in der Woche zwischen Papas Tod und seiner Bestattung habe ich meine Abiturprüfungen geschrieben. Als ich Montagmorgen zur ersten Prüfung kam, haben mich der stellvertretende Direktor und meine Deutschlehrerin vor allen Leuten umarmt. Als ich auf Toilette war, hat dieselbe Lehrerin meiner Klasse gesagt, dass mein Vater am Tag davor gestorben ist. Da aber bereits Redeverbot war, als ich wieder hereinkam, konnte ich nur sehen, wie mich alle angeschaut haben.

Meinen Freundinnen aus den anderen Klassen hatte ich noch nichts gesagt, da ich nicht wollte, dass sie ebenfalls beim Abitur abgelenkt sind. Eine Lehrerin hatte uns zur Motivation während der Klausur Schokolade auf den Tisch gelegt. Ich habe als Einzige ein Stück mehr bekommen. Generell waren es oft kleine Dinge oder Gesten, an denen ich gemerkt habe, dass die Menschen an einen denken und mittrauern.

Nach den Prüfungen hat mich mein damaliger Freund (er war auf der Nachbarschule) abgeholt. Wir kamen an vielen feiernden Abiturient:innen vorbei, die er aus Solidarität mit mir aber auch hat links liegen lassen. Uns war einfach nicht zum Feiern zu Mute. In derselben Woche kam mein Onkel aus Stuttgart angereist und hat eine Woche lang für uns gekocht und die Beerdigung mit meiner Mutter, seiner Schwester, geplant. Der Vater meines Vaters hat außerdem den Sarg und die Blumen mitausgesucht. Für ihn war der Tod meines Vaters mit am schlimmsten. Er sagte immerzu: „Es hätte doch mich treffen sollen“.

Hast du dich an der Organisation der Bestattung beteiligt?

Nach meinen Prüfungen habe ich nachmittags mit meiner Mutter die Trauerkarten frankiert und mit Adressen beschriftet. Sie hatte einen sehr schönen Text geschrieben und die ganze Karte mit dem Beerdigungsinstitut entworfen. Da mein Vater Albert Schweitzer mochte, stand auf der Karte: „Das einzig wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen“. Generell waren wir alle sehr froh über das Beerdigungsinstitut. Es hat bei der kompletten Organisation geholfen, die Beerdigung koordiniert, das Kondolenzbuch besorgt, Fotos von meinem Vater gesammelt und ihn sehr schön aufgebahrt, sodass auch noch Freund:innen ihn sehen konnten.

Das Beerdigungsinstitut hat mir und meiner Schwester ein kleines Holzherz geschenkt, das mich immer an Papas Sarg erinnert. Meine Mutter hatte einen sehr schnittigen Holzsarg gewählt, um seiner Sportliebe zu gedenken. Zur Vorbereitung der Beerdigung haben meine Schwester und ich uns öfter mit unserer Pfarrerin getroffen. Wir durften die Lieder wählen und ein Gedicht, das wir bei der Beerdigung gemeinsam vorgetragen haben. Einige Monate später, als die Erde über dem Sarg genug abgesackt war und der Grabstein gesetzt werden konnte, durften wir auch diesen mitgestalten. Meine Mutter und Schwester haben ihn mit dem Steinmetz behauen und ich habe die Schrift ausgewählt.

Der Tag der Bestattung – wie hast du ihn erlebt?

Mein Vater wurde in der katholischen Kirche bei uns in der Straße von einer evangelischen Pfarrerin beerdigt. Es war uns wichtig, dass er auf dem kleinen Friedhof mit Bergblick bei uns um die Ecke liegen kann. Sein Grab hat meine Mutter so gewählt, dass man genau auf das Kirchenportal schauen kann.

Zur Beerdigung kamen sehr viele Menschen, da mein Vater erstens noch jung war und zweitens beim Radio gearbeitet hat, wodurch er viele Menschen kannte. Sogar der Oberbürgermeister hat einen Blumenkranz geschickt. Wir saßen als Familie in der ersten Reihe, sodass ich erst nach der Trauerfeier gesehen habe, dass vor dem Kirchenportal auf dem Friedhof noch viel mehr Menschen standen.

Ein Kollege meines Vaters hat eine sehr schöne Rede über meinen Vater gehalten. Ich habe für mein Leben aber daraus mitgenommen, dass man Menschen viel häufiger schöne Dinge sagen sollte während sie leben und nicht erst wenn sie tot sind. Meine Patentante hat mir fast während des gesamten Gottesdiensts ihre warme Hand zwischen meine Schulterblätter gelegt, was sehr beruhigend war.

Das Kondolieren vor dem Grab hat über eine Stunde gedauert. Es war schön, dass so viele Leute da waren, aber ich weiß nicht mehr, was sie uns alle gesagt haben. Da ich nicht ganz in schwarz kommen wollte, hatte ich einen roten Samtmantel an, den mir mein Vater in Frankreich in einem Secondhand-Laden gekauft hatte. In der Zeit danach hatte ich auch oft die alte Lederjacke von ihm an, um ihn bei mir zu haben.

Wie ging es nach der Bestattung weiter?

Nach der Beerdigung sind wir in einer kleineren Runde essen gegangen. Die Tage davor hatte ich mit meiner Mutter die Location und das Essen ausgesucht. Eine meiner Freudinnen hat mir eine Kette aus Gänseblümchen von der Wiese vor dem Lokal gebastelt, die ich noch lange in meinem Zimmer hängen hatte. Bei vielen Verwandten und Freunden habe ich mich einfach gefreut sie mal wieder zu sehen, auch wenn der Anlass dafür denkbar schlecht war.

Bei der Beerdigungsfeier (Leichenschmaus klingt immer so makaber) hat meine Mutter die Eltern meines damaligen Freundes kennengelernt. Zwischen meiner und seiner Mutter ist durch Gespräche über Trauer, Tod und Glaube sehr rasch eine sehr intensive Freundschaft geworden, die bis heute anhält. Etwas kitschige Sätze wie „Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere“ können also wirklich wahr werden. Generell glaube ich, dass man sich nach so einem Schicksalsschlag darauf einstellen muss, dass vorhandene Freund:innen nicht mit der Situation umgehen können, aber dadurch plötzlich ganz andere Menschen und Dinge ins Leben treten, die es sehr bereichern können.

Ich erinnere mich insgesamt sehr positiv an die Beerdigung und gehe auch immer noch gerne zu Papas Grab (in dem mittlerweile auch sein Vater liegt), auch wenn ich von einigen Trauernden weiß, dass diese Rituale für sie keineswegs hilfreich sind.

Wie waren die ersten Wochen und Monate nach der Bestattung?

Die Zeit nach dem Tod meines Vaters war sehr seltsam für mich. Sein Tod ist quasi mit dem Ende meiner Schulzeit zusammengefallen. Die Frage „und was machst du nach dem Abitur?“ hat natürlich auch vor mir keinen Halt gemacht. Vor Papas Tod hatte ich den Plan direkt studieren zu gehen, habe mich dann aber entschieden noch ein Jahr bei meiner Mutter und meiner Schwester zu bleiben. Ich habe viel Zeit damit verbracht, noch spontan einen FSJ-Platz (freiwilliges soziales Jahr) zu bekommen.

Direkt nach dem Abitur (Ende März) habe ich bis zum Sommer ansonsten alles so gemacht, wie es bereits geplant war: Zu Freunden nach Frankreich fahren, mit Freunden in den Urlaub fahren, das Zeltlager leiten, den Abiball hinter mich bringen. Bei all den Aktivitäten habe ich gemerkt, dass es vielen Leuten schwergefallen ist, mich auf Papas Tod anzusprechen. Ich selbst wollte auch nicht immer damit anfangen, um den Leuten die gute Laune nicht zu verderben. Ich habe von vielen gehört, dass „sie mich mal ablenken wollen“. Aber das funktioniert nicht.

Natürlich gab es auch lustige Tage für mich und ich habe noch andere Dinge außer trauern getan, aber ich habe trotzdem pausenlos an meinen Vater gedacht. Mir wäre es lieber gewesen, wenn mich Leute zu schönen Aktivitäten mitgenommen hätten und mich trotzdem auf Papas Tod angesprochen hätten. Das Sprechen darüber hätte manche Momente für mich eher leichter gemacht, als das Schweigen auszuhalten. Auch Sätze wie „du kannst dich jederzeit melden, ich bin immer da für dich“ sind nett gemeint, haben mir aber nicht sehr geholfen. Wenn es einem so grundlegend schlecht geht, wie nach einem Tod muss man schon sehr kommunikativ bewandert sein, um so gezielt Bedürfnisse an andere richten zu können. Mit 17 Jahren konnte ich das auf jeden Fall nicht und ich denke, dass es einem auch in höherem Alter in solchen Situationen schwerfällt, sich so bewusst an andere zu wenden.

Oft ist es ja auch mehr eine Traurigkeit, die über allem schwebt, als eine konkrete Sache, mit der man sich an jemanden wenden kann. Mir hat es immer mehr geholfen, wenn Menschen von sich aus auf mich zugekommen sind und einfach mitangepackt haben oder mich zum Reden aufgefordert haben. Ich fand es z.B. auch hilfreich von anderen Menschen zu hören, dass sie ebenfalls jung einen Elternteil verloren haben. Sie kamen mir auf einmal viel menschlicher vor und waren keine unnahbaren Erwachsenen mehr, sondern irgendwie Gleichgesinnte. Außerdem habe ich gesehen, dass sie trotzdem ein schönes Leben hatten und sie die frühe Erfahrung des Todes stark und lebensnah gemacht hatte.

Wie ist deine Familie mit der Trauer umgegangen?

Meine Schwester fand es gar nicht hilfreich, solche Geschichten zu hören, da sie oft das Gefühl hatte, dass dann nicht auf das eigene Schicksal eingegangen wird.

Generell sind alle in unserer Familie anders mit Papas Tod umgegangen und haben anders getrauert. Ich denke, es gibt daher kein allgemeingültiges Rezept, wie man so einen Schmerz verarbeitet und auch für Umstehende gibt es keine Anleitung, was man am besten zu Trauernden sagt. Was sich aber, glaube ich, die Allermeisten nach einem Verlust wünschen, ist darauf angesprochen zu werden und ernstgenommen zu werden, dass es auch Jahre später noch weh tun kann.

Gab es etwas, was dir in dieser schweren Zeit geholfen hat?

Nach der Bestattung war ich einige Male bei der Trauerbegleiterin des Beerdigungsinstituts, die mir etwas sehr Schönes gesagt hat: Sie meinte, dass ich mir Trauer wie eine innere Verletzung vorstellen soll. Da diese Verletzung nicht so sichtbar ist, wie ein gebrochener Fuß in einem Gips, ist es schwerer für andere sie zu sehen. Sie ist aber trotzdem da und man muss diese Verletzung gesund pflegen, genauso wie man es mit einem gebrochenen Fuß tun würde. Tatsächlich habe ich durch Papas Tod gemerkt, dass sich eine seelische Verletzung wie ein körperlicher Schmerz anfühlen kann. Besonders in den ersten Tagen hatte ich ein starkes Ziehen am Herz.

Mit die heilsamste Erfahrung in dieser Zeit war mein Freiwilligendienst, den ich schließlich in einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke absolviert habe. Das Motto „Lebe den Tag“ wurde dort sehr stark gelebt, da es darum ging, den älteren Menschen in jedem Moment eine Freude zu bereiten, da sie es im Moment danach vielleicht schon wieder vergessen haben. Der Tod war hier auf einmal auch neben dem Leben möglich. Alle haben in dem Wissen gelebt, dass bald einer der Bewohner:innen sterben kann, aber das hat die Freude über jeden Tag nicht geschmälert.

Mir hat es sehr gutgetan, zu wissen, dass man über den Tod sprechen kann und den Tod erleben kann, ohne sein Leben aufzugeben. Nach Papas Tod hatte ich viele existentielle Fragen von „Wozu lebt man überhaupt“ bis „Was ist meine eigene Bestimmung auf dieser Welt“, die erst durch meinen Freiwilligendienst weniger wurden.

Der einzige andere Ort, an dem der Tod völlig selbstverständlich genannt wird, ist für mich die Kirche. Nach Papas Tod bin ich öfter mit meiner Mutter zu Gottesdiensten gegangen und auch während meines Studiums habe ich versucht, regelmäßig zu Taizé-Gebeten o.ä. zu gehen. Ich bin froh, dass Papas Tod auch bei uns in der Familie kein Tabuthema war, sondern meine Mutter uns oft gefragt hat, wie es uns geht. Ich konnte darauf zwar nicht immer sinnvoll antworten, aber so wusste ich doch, dass ich jederzeit zu ihr kommen konnte und sie Papa nicht vergessen möchte.

Gab es bestimmte Zeiten, die besonders schwer für dich waren?

Viele Menschen sagen, dass nach einem Trauerfall bestimmte Tage wie Weihnachten oder Ostern am schlimmsten sind. Bei mir war dieser Tag der Abiball. Von allen anderen Abiturient:innen waren beide Eltern da, selbst die Geschiedenen saßen geeint an einem Tisch. Nur bei mir wurde der Vater durch den Onkel ersetzt. Soweit ich mich erinnere war dieser Tag der einzige an dem ich mich in der Öffentlichkeit nicht zusammenreißen konnte und ich auf dem Weg zur Toilette anfing zu weinen. Die Eltern von zwei Freundinnen haben mich getroffen und dann erstmal ziemlich lange getröstet.

Generell habe ich selten vor Anderen geweint, aber fast jeden Abend zu Hause im Bett oder bei meinem damaligen Freund. Wenn ich aber irgendwie in die Situation kam, nochmal Papas Tod zu schildern hat sich meine Stimme immer ganz komisch verändert und ich wurde total nervös und habe gezittert.

Komischerweise bin ich ein Jahr nach Papas Tod nochmal in ein viel größeres Loch gefallen als direkt danach. Direkt nach seinem Tod stand noch so viel an, dass mich aufgefangen hat. In der Zeit zwischen meinem Freiwilligendienst und dem Studium war hingegen wenig geplant und mir ist auf einmal schwer gefallen mich zu motivieren. Ich habe zwei Reisen abgesagt, da ich mich völlig energielos gefühlt habe. Mein einziger Lichtblick war der baldige Beginn des Studiums. Bis dahin habe ich die Trauer als sehr wellenförmig wahrgenommen. Manchmal war sie stark und betäubend und manchmal kam mir alles weit weg vor und als wäre all das gar nicht meine Lebensgeschichte.

Rückschläge kamen vor allem, wenn andere unschöne Ereignisse in meinem Leben passiert sind (z.B. Trennung, Unsicherheiten im Studium etc.). Als ich anderthalb Jahre nach Papas Tod für mein Studium in eine andere Stadt gezogen bin, hatte ich einerseits das Bedürfnis „ganz neu zu beginnen“ und gleichzeitig war es mir sehr wichtig neuen Bekanntschaften schnell zu erzählen, dass ich meinen Vater verloren hatte. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Teil meines Lebens so stark zu meiner Identität geworden war, dass mich niemand, ohne von Papas Tod zu wissen, wirklich kennen konnte.

Wie schaust du heute auf alles zurück?

Für mich gibt es eine Zeit vor und eine Zeit nach Papas Tod. Sein Tod ist in unserer Familie eine Art Zeitrechnung geworden, wenn wir über vergangene Ereignisse sprechen. In der Zeit vor Papas Tod waren wir eine ganz normale Familie. In der Zeit danach mussten wir uns mit Dingen wie Halbwaisenrente und Erbschaft beschäftigen und meine Mutter war auf einmal alleinerziehend.

Nach Papas Tod sind gewohnte Traditionen an Weihnachten anders geworden und meine Schwester wurde magersüchtig. Sein Tod hat uns als Frauen-Gespann getrennt und neu zusammengebracht und uns alle stärker und erschöpfter gleichzeitig werden lassen. Papas Tod ist mittlerweile fast neun Jahre her und er kommt immer noch fast jeden Tag in irgendeinem Gedanken von mir vor. Wenn ich zuhause bei meiner Mutter in meinem Elternhaus bin, kommen die Erinnerungen noch stärker zurück.

Welchen Einfluss hat dein Vater und sein Tod auf dein heutiges Leben?

Wir haben nach Papas Tod sehr schnell seine Kleidung verschenkt und auch seine anderen Sachen verräumt oder aussortiert. Wenn ich heute im Keller bin, finde ich trotzdem immer wieder Dinge von ihm, die mich an verschiedene Erlebnisse mit ihm erinnern. Ich war immer sehr gerne mit meinem Vater an der frischen Luft und muss besonders bei Reisen an Urlaube und Ausflüge mit ihm denken. Ich habe ihn also quasi immer im Gepäck, egal wo ich bin.

Ich merke, dass ich mich bis heute in bestimmten Situationen frage, was mein Vater dazu gesagt hätte, ob er sich mit meinem heutigen Freund verstehen würde und ob er stolz wäre, wo ich heute stehe. Ich war immer eher ein Papa-Kind und bin froh, dass ich mich mit ihm immer sehr gut verstanden habe und nach seinem Tod keine ungeklärten Konflikte allein mit mir ausmachen musste. Ich versuche, besonders durch Gespräche mit meiner Mutter und meiner Schwester, mir Situationen und Charakterzüge von ihm lebendig zu halten. Da er Radiojournalist war, haben wir den großen Vorteil, neben Fotos auch Tonaufnahmen als Erinnerung zu haben.

Papas Tod hat mir geholfen viele andere Situationen zu relativieren. Ich war zum Bespiel nur sehr selten vor Prüfungen aufgeregt, da ich mir immer gesagt habe, dass es „nur“ Prüfungen sind und viel schlimmere Dinge im Leben passieren können. Eine zeitlang fand ich es schrecklich, wenn Notarztwagen an mir vorbeigefahren sind, aber das ging mit der Zeit weg. Sätze wie „die Zeit heilt alle Wunden“ würde ich hingegen nicht per se unterschreiben. Mit der Zeit verliert sich zwar der Schmerz, die Erinnerung verblasst, aber der Tod der geliebten Person ist plötzlich Teil der Lebensgeschichte. Gleichzeitig glaube ich, dass dieses Annehmen nur passiert, wenn man sich aktiv mit dem Verlust auseinandersetzt. Sich nur in seiner Trauer gehen lassen und darauf zu warten, dass es die Zeit schon richten wird, kann später zu ganz schönen Rückschlägen führen.

Was hat dir am meisten geholfen?

Mir hat es geholfen, mehrmals zu der Trauerbegleiterin des Beerdigungsinstituts zu gehen. Auch die Kirche, meine Familie und mein Freiwilligendienst haben zu einer Verarbeitung des Schmerzes beigetragen. Mir tat es außerdem sehr gut in die Natur und in die Berge zu gehen. Sonnenaufgänge und beeindruckende Aussichten, haben mir gezeigt, dass die Welt trotz allem Schmerz immer noch voller Schönheit ist.

Rita

Rita

Wie war der Tag, als du von dem Tod erfahren hast?

Meine Mutter ist an unheilbarem Krebs verstorben. Es war am 04.09.2009, ein Freitag. Meine Mutter war schon länger bettlägerig und mein Vater hat meine Schwester (damals 18) und mich (damals 17) im Januar 2009 darauf eingestellt, dass unsere Mutter das Jahr wahrscheinlich nicht überleben wird. Mein Bruder war zu jung um das sofort zu erfahren (haben wir zumindest gedacht).

Da es also absehbar war, dass meine Mutter dem Tod entgegen geht und von Tag zu Tag schwächer wurde, haben wir versucht, alle Wünsche zu erfüllen, die sie noch hatte. Zum Glück ist mein Vater beruflich gut aufgestellt und konnte so als Privatpatient vieles möglich machen. Der Größte Wunsch meiner Mutter war es, zu Hause zu versterben. Also wurde unser Wohnzimmer im Jahr 2009 schnell zu einem Krankenzimmer. Ein entsprechendes Bett und sämtliche Geräte und Arzneien waren ab sofort Teil der Einrichtung.

Wir und meine Tanten und Onkel, Omas und Opas haben uns ab Juni mit Nachtwache abgewechselt. Schule und der Sport (Fussball) hat mir sehr geholfen, mich abzulenken.

Freitags morgens kam dann mein Vater ins Zimmer, weckte mich und sagte, dass Mama es geschafft hat. Am Ende war es mehr eine Erlösung, sowohl für sie als auch für die gesamte Familie. Da der Zeitpunkt abzusehen war, kam es nicht ganz überraschend. Trotzdem nimmt es einen sehr mit wenn es dann soweit ist. Ein bisschen Hoffnung bleibt ja doch bis zum Schluss.

Wie hast du auf den Tod reagiert?

Ich war wie gelähmt. Hätte ich mir vorher nie ausmalen können eine Leiche zu berühren, war nun ich derjenige, der meine Mutter nicht gehen lassen wollte. Alle Verwandten und engen Freunde kamen vorbei. Ein guter Freund der Familie hatte zu dem Zeitpunkt ein Bestattungsinstitut und kam im Laufe des Tages vorbei.

Bestimmte Gedanken oder Gefühle kann ich gar nicht beschreiben. Ich weiß aber noch, dass ich an dem Tag abends ein Saisonspiel hatte und auch tatsächlich hingegangen bin, um mich abzulenken. Letztlich war es dennoch nicht ich, der auf dem Platz stand, sondern nur meine Hülle. Abends saßen wir mit der ganzen Familie zusammen und haben zusammen geweint, uns erinnert und getrauert. Am Tag des Todes hatte meine Tante Nachtwache. Im Nachhinein bin ich froh, dass es sie war und nicht ich.

Wie war die Zeit bis zur Bestattung für dich?

Meine Mutter wurde genau eine Woche später beerdigt. Das kuriose ist, dass sie ihre Beerdigung selbst geplant hat. Sie wollte verbrannt werden und jeder der wollte konnte zur Beerdigung kommen. Es waren mehr als 200 Leute da. Aber ich hab nur ein Menschenmeer gesehen und war total in mich gekehrt. Ich wollte mit keinem Reden, sondern nur für mich, meine Geschwister und meinen Vater da sein.

Da ein Bekannter das Bestattungsinstitut leitete, hat er alle Aufgaben diesbezüglich übernommen. Den Rest hat mein Vater erledigt, mit unserer Unterstützung. Was mir besonders in Erinnerung blieb ist, dass meine Mutter sich 2 Lieder ausgesucht hat, die auf der Beerdigung gespielt werden sollten. Und diese Lieder liefen auch. Wenn ich die jetzt hier und da nochmal anhöre kommt einiges hoch und meistens könnte ich wieder anfangen zu weinen…

Der Tag der Bestattung – wie hast du ihn erlebt?

Der Tag der Bestattung war aus meiner Sicht schön in dem Sinne wie eine Bestattung eben schön sein kann. Es hat mich gefreut, dass so viele Leute erschienen sind um Abschied zu nehmen, dass meine Mutter selbst z.T. die Beerdigung geplant hat und dass es ein schöner, sonniger Tag war.

Die Bestattung an sich hat einen Schlussstrich unter die sehr lange Woche gezogen. Es war ein wichtiger Schritt, definitiv. Meine Schwester saß noch wochenlang mit einem Campingstuhl am Grab (Es ist ein Wiesengrab, also sieht man nur eine Bodenplatte auf einer Wiese).

Nach der Beerdigung kamen die engsten Freunde und die Verwandten mit zu uns. Wir haben das ganze Wochenende meine Mama nochmal „hochleben“ lassen und sind in Erinnerungen versunken.

Wie waren die ersten Wochen und Monate nach der Bestattung?

Trauer als Gefühl kann ich nicht beschreiben. Ich glaube, ich trauere immer noch. Auch anders als meine Geschwister oder mein Vater. Aber viel Zeit zum Trauern blieb uns leider nicht. Mein Vater fand sehr schnell eine neue Frau und diese zog sehr schnell bei uns ein. Viele neue Situationen und Menschen…das war keine leichte Zeit.

In dem Zusammenhang gab es Rückschläge und viele Tränen. Man vergleicht die neue Frau immer mit seiner Mutter oder fragt sich, wie der Vater so schnell eine Neue suchen/finden konnte. Das ganze hat unsere Familie inklusive Verwandten leider in zwei Lager geteilt, so dass nichts mehr wie vorher war. Das war eine sehr traurige Zeit.

Wie schaust du heute auf alles zurück?

Ich würde sagen, Trauer verschwindet nicht. Zumindest nicht, wenn man einen Menschen verliert, der einem so nahe steht wie Mutter oder Vater. Sie begleitet einen ständig. Die Trauer zu akzeptieren ist schwer.

Gab es etwas, was dir Hoffnung gegeben hat?

Nach dem Tod meiner Mutter lernte ich einen brasilianischen Austauschschüler kennen. Er zog zu uns für ein Jahr und ich durfte im Gegenzug ein halbes Jahr nach Brasilien. Das hat mir sehr viel Perspektive gegeben. Ich habe eine neue Sprache gelernt, eine neue Kultur kennengelernt und gesehen, dass viele auf der Welt von Leid und Trauer betroffen sind. Das hat mir Hoffnung und Perspektive gegeben.

Was würdest du jemandem raten, der eine ähnliche Situation durchlebt?

Man muss realistisch sein, weiter machen und denken, dass oben jemand sitzt der einen beobachtet. Gerade wenn man vor schweren Entscheidungen im Leben steht in denen man sich vielleicht wünscht, dass die Mutter da ist, um einem zur Seite zu stehen. Aber auch um positive Aspekte zu teilen.

Außerdem würde ich jemanden in so einer Situation raten, sich nicht zu verschließen und wenn man nicht in der Familie reden kann oder will, dann mit Freunden oder mit einem Therapeuten. Eine Therapie zu machen ist keine Schande, das musste ich mir anfangs eingestehen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Stimmt zwar nicht ganz, aber mir hat es sehr geholfen.

Norbert & Birgitta

Norbert & Birgitta

Wie war der Tag, als du von dem Tod deiner Mutter erfahren hast?

Ich bin gegen 8:00 Uhr aufgewacht und wunderte mich, dass ich diese Nacht durchgeschlafen habe und keinen Anruf aus dem Krankenhaus bekommen habe. Nachdem ich dann aber mehrere verpasste Anrufe der Intensivstation der Uniklinik sah, auf welcher meine Mutter nach einem Frontal-Zusammenstoß auf der Landstraße behandelt wurde, öffnete ich WhatsApp und las eine Nachricht meines Bruders: „Ruf mal bitte zurück“. Als ich sofort zurückrief sagte er mir, dass er auf dem Weg ins Krankenhaus ist, in welchem mein Vater zu dieser Zeit wegen einer chronischen Darmerkrankung behandelt wurde.

„Mama hat es nicht geschafft“.
„Ok. Dann komme ich jetzt“

Dann bin ich aufgestanden, in das Zimmer meines Mitbewohners gegangen, habe mich auf sein Bett gesetzt und nüchtern den Satz meines Bruders wiederholt. „Mama hat es nicht geschafft“. Anschließend sind wir ins Krankenhaus zu meinem Vater gefahren. Meinem Bruder und mir war klar, dass wir diejenigen sind, die ihm beibringen müssen, dass die Frau, mit dem er seit 31 Jahren verheiratet ist, bei einem Autounfall verstorben ist. Ich „musste“ einfach funktionieren.

Wie hat dein Körper auf den Tod deiner Mutter reagiert?

Mit einiger Zeit Abstand kann ich reflektierend sagen, dass ich mich mit der oben beschriebenen Nachricht meines Bruders in eine Art „Tunnel“ begeben habe. Ab diesem Zeitpunkt habe ich einfach funktioniert. Ein ständiger Sprung zwischen Rationalität und Emotionalität. Ich bin ganz froh, wie meine Psyche reagiert hat. Ich denke, dass die Nachricht des Todes der eigenen Mutter eine Art „Notfallprogramm“ im Kopf gestartet hat.

Es ist jetzt fast genau zwei Jahre her. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass meine Psyche ganz bewusst manche Dinge gefiltert hat und erst garnicht im Langzeitgedächtnis hat ankommen lassen. Es gibt Erinnerungen die ich noch klar vor mir habe, ohne dabei so richtig viel zu fühlen. So kann ich mich zum Beispiel gut daran erinnern, dass ich meinem Vater unter Tränen gesagt habe „Die Mama ist tot.“ Mir kommen bei dem Satz ab und zu auch immer noch ein wenig die Tränen. Aber ich kann heute nicht mehr ansatzweise nachfühlen wie es sich damals angefühlt hat.

Um dieses clevere Verhalten meiner Psyche bin ich auch ganz froh irgendwie. Auf der anderen Seite: Mein erstes richtiges Fallenlassen/zur Ruhe kommen/der Trauer Raum geben, fand am Abend des Todestages statt. Ich bin in meinem Heimatort zu Fuß von meinem Elternhaus zum Haus meiner besten Freundin gegangen. Der Weg dorthin war für mich die erste Zeit alleine an diesem Tag und die Möglichkeit das Geschehene zu realisieren. Ich habe geklingelt – Sie hat geöffnet – Der Moment des Umarmens und des Weinens ist mir auch nach zwei Jahren sehr präsent. Ich hab das Gefühl des „Fallenlassens“ regelrecht gespürt und kann diesen Moment immer noch gut nachfühlen.

Wie war der Tag, als du von dem Tod deines Vaters erfahren hast?

Nach dem Tod meiner Mutter hat mein Vater schlichtweg aufgegeben. Wenn der Mensch stirbt, der dich jahrelang mit einem unbändigen Optimismus durch einen schweren Krankheitsverlauf mit vielen Krankenhausaufenthalten zieht, kann ich es gut nachvollziehen, dass der letzte vorhandene Wille zum Durchhalten erlischt.

So hat sich etwa eine Woche nach dem Tod meiner Mutter der Gesundheitszustand meines Vaters deutlich verschlechtert. Schlechte Lungenwerte – Verlegung auf die Intensivstation – Intubation – Fieber – Multiples Organversagen – Tod.

Mein Bruder, mein Cousin, mein Mitbewohner und zwei Freunde waren zu dem Zeitpunkt bei mir in der Wohnung. Um 22.15 hatten wir Kontakt mit der besten Freundin meines Vaters, die im Krankenhaus einige Stunden vor dem Tod entschieden hat, dass sie „dabei“ sein möchte und uns Bescheid gibt, wenn es soweit ist. Wir saßen dann alle gemeinsam im Wohnzimmer und haben im Endeffekt darauf “gewartet“. Um 22.15 schrieben wir kurz mit Christina, der besten Freundin meines Vaters:

22:15 „wie läuft es?“
22:22 „ALARM“

Anschließend rief sie uns an. Mein Bruder und ich saßen in meinem Schlafzimmer auf dem Bett und haben dieses Telefonat geführt. Was soll man sagen? Doofe Situation. Mein erster Gedanke war: „Papa hat es endlich geschafft und ist jetzt wieder bei Mama, doof für uns… Gut für die zwei 💛“

Wie war die Zeit bis zur Bestattung für dich?

Der Tod war eine Mischung aus zwei Sachen: Erstens Funktionieren. Die Beerdigung organisieren, Bürokratische Dinge regeln, Todesmitteilungen überbringen, Dinge für meinen Vater regeln. Zweitens mit den eigenen Emotionen balancieren. Trauern, mit Freunden und Familie sprechen, eine Perspektive und Fahrtrichtung für die nächsten Wochen, Monate und Jahre finden.

Wir haben die ganzen Dinge gemeinsam mit Freunden und Familie organisiert. Die zahlreichen Hilfsangebote von Freunden, Kollegen und Bekannten ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

Der Tag der Bestattung – wie hast du ihn erlebt?

Der Tag der Bestattung meiner Mutter war ein kalter, verschneiter Wintertag. Die Trauerhalle war brechend voll. Der Gospelchor meiner Mutter hat gesungen. Die Bestattung war ein wichtiger Schritt für das „Loslassen“. Als besonders wertvoll habe ich folgendes Bild im Kopf: Wir standen nach dem Trauermarsch an dem Urnengrab meiner Mutter. Ich blickte den Friedhofsweg entlang und wunderte mich über die große Anzahl von Trauergästen…Die Schlange hörte nicht auf. Das war schon ein ziemlich rührender Moment „Guck mal Mama, wer alles gekommen ist um dir Lebewohl zu sagen“ … Das war irgendwie ein trostspendender Gedanke.

Wie waren die ersten Wochen und Monate nach der Bestattung?

Das erste Trauerjahr war das Schwerste. Alle ersten Male waren besonders komisch. Nicht nur die offensichtlichen Dinge wie Geburtstage oder Weihnachten, sondern auch das erste mal geblitzt werden, das erste Konzert, das erste selbst gespielte Konzert, der erste Urlaub, der erste Kater, das erste mal Kräuterquark machen, das erste mal PUR im Auto hören…die Liste ist unendlich lang.

Trauer ist ein langer, langer Prozess. Diesen Prozess stelle ich mir wie folgt vor: Es gibt einen riesigen Topf, in dem unzählige Gedanken, Ideen, Sichtweisen, Fragen, Gefühle, usw. zu finden sind. Ich glaube diese müssen ALLE einmal gedacht, gefragt, gefühlt, gesehen werden, um irgendwann sagen zu können: „Ich habe den Tod meiner Eltern verarbeitet“.

Ich habe recht zügig gemerkt, dass dieser Trauerprozess in einer Wellenbewegung stattfindet. Die Frequenz und die Amplitude verändert sich durch „Trigger“. Wann diese kommen ist für mich leider nicht vorhersehbar. So bleibt der Trauerprozess aber auch spannend! 😉 Ich war auch immer neugierig, wie es mir in 3 Tagen, 3 Wochen, 3 Monaten oder in 3 Jahren geht. Diese „Neugier“ hat mir geholfen, den Kollegen „Trauer“ als neuen Teil von mir zu akzeptieren und einen Umgang mit ihm zu finden.

Wie schaust du heute auf alles zurück?

Der Tod meiner Eltern gehört jetzt so fest zu mir wie meine zwei Ohren und meine Nase. Ich kann an der Situation NICHTS ändern. Ich kann einen Umgang damit lernen und das Beste draus machen. So ist das Leben eben 🙂

Hast du Ratschläge für andere Trauernde?

Höre auf dein Inneres und NIMM DIR ZEIT. Finde Dinge, die dir in deiner Traurigkeit helfen. Wenn es dir zum Beispiel hilft, Joggen zu gehen, Gitarre zu spielen oder mit Freunden zu sprechen… perfekt! Merk dir das und packe die Dinge in deine Werkzeugkiste. Wenn du das nächste Mal ein „Down“ hast, schaue in die Werkzeugkiste und probiere diese Dinge aus.

Klar, manchmal hatte ich Phasen, in denen die ganze Werkzeugkiste nicht geholfen hat. Das ist deprimierend, kommt aber vor. Dann blieben mir zumindest die Durchhalteparolen übrig, wie zum Beispiel: „Es wird auch wieder bessere Tage geben“. Ich denke JEDEN TAG an meine Eltern. Manchmal mit einem weinenden, manchmal mit einem lachendem Auge. Manchmal auch beides.

Akzeptiere den Tod als Teil deiner Geschichte und finde einen Umgang damit. Mir hilft es auch manchmal in den Himmel zu gucken und mir vorzustellen, dass die zwei auf ihrer schön aufgeräumten Wolke Nr. 14 sitzen und auf mich hinunterblicken. Dann rede ich auch manchmal mit der Wolke, zu welcher ich da gerade hinaufblicke. Ich weiß auch, dass da keine Antwort zurück kommt. Es hilft aber trotzdem irgendwie. Und wenn das hilft, perfekt! Ab in die Werkzeugkiste damit 🙂

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