Was ist Trauer?

Was ist Trauer?

Trauer verstehen: Definition und Psychologie

Wie würdest du Trauer beschreiben und wie fühlt sich deine Trauer an? In der Psychologie sprechen wir bei Trauer nach einem Todesfall von einer komplexen, individuellen und ganzheitlichen Reaktion auf den Verlust einer Bezugsperson. Das klingt kompliziert! Lass uns die Definition in ihre Einzelbestandteile aufteilen.

Individueller Trauerausdruck

Trauer ist so einzigartig wie jeder Mensch selbst. Sie kann sich auf völlig unterschiedliche Weise zeigen: Während du vielleicht in Tränen ausbrichst, reagiert ein anderer mit Wut. Während du das Bedürfnis hast, über deine Gefühle zu sprechen, verschließt sich ein anderer möglicherweise komplett und versucht, weiterzumachen als wäre nichts geschehen.

Diese unterschiedlichen Reaktionen können manchmal schwer nachvollziehbar sein. Doch gerade die Vielfältigkeit der Trauer erfordert von uns allen viel Verständnis. Denn eines ist wichtig zu wissen: In der Trauer gibt es kein „richtig“ oder „falsch“ – alles, was dir in deinem persönlichen Trauerprozess hilft und gut tut, ist erlaubt.

Ganzheitliche Trauer

Trauer beschränkt sich nicht auf einen einzelnen Bereich deines Erlebens – sie ist ganzheitlich. Das bedeutet, dass du sie auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig wahrnehmen kannst:

  • In deinen Gedanken
  • In deinem Verhalten
  • In deinen Gefühlen
  • In deinem Körper

Denk einmal zurück an eine Situation, in der du intensive Trauer erlebt hast. Vielleicht erinnerst du dich an bestimmte Gedanken, die dir durch den Kopf gingen? An körperliche Reaktionen? An überwältigende Gefühle?

Die Intensität, mit der du Trauer auf den verschiedenen Ebenen erlebst, kann sich im Laufe der Zeit verändern. Manchmal spürst du sie vielleicht besonders stark in deinen Gefühlen, zu anderen Zeiten äußert sie sich mehr in körperlichen Reaktionen oder in deinem Verhalten.

Komplexe Trauer

Die Vielschichtigkeit der Trauer zeigt sich in den unterschiedlichsten Reaktionen auf allen Ebenen:

Gefühlsebene

  • Schockzustand
  • Tiefe Angst
  • Überwältigende Verzweiflung
  • Intensive Wut
  • Lähmende Einsamkeit
  • Tiefe Traurigkeit
  • Schmerzliche Sehnsucht

Gedankenebene

  • Verleugnung des Verlustes
  • Existenzielle Fragen nach dem „Wie weiter?“
  • Intensives Grübeln
  • Kreisende Gedanken

Verhaltensebene

  • Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren
  • Probleme bei alltäglichen Aufgaben
  • Verstärktes Bedürfnis nach Ablenkung
  • Rückzug von Aktivitäten
  • Verändertes Schlafverhalten

Körperliche Ebene

  • Erschöpfungszustände
  • Beschleunigter Herzschlag
  • Anhaltende Müdigkeit
  • Häufige Kopfschmerzen
  • Muskuläre Verspannungen
  • Wiederkehrende Übelkeit
  • Innere Unruhe
  • Verstärktes Schwitzen
  • Allgemeine Schwäche

Jede dieser Reaktionen ist eine normale Antwort auf einen abnormalen Zustand – den Verlust eines geliebten Menschen. Du kannst all diese Reaktionen bei dir beobachten, musst es aber nicht. Vielleicht erkennst du dich in einigen wieder, während andere dir fremd erscheinen. Auch das ist völlig in Ordnung und Teil deines individuellen Weges durch die Trauer.

Alles in allem

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sich Trauer in deinen Gefühlen, deinen Gedanken, deinem Verhalten und deinem Körper auf viele verschiedene Arten zeigen kann. Nur weil du anders trauerst als andere Personen, heißt das überhaupt nicht, das du falsch trauerst oder deine Trauer nicht wichtig ist. Jeder Mensch trauert auf seine eigene Art und Weise und das ist okay.

Quellen

Gross, R. (2018). The psychology of grief. UK: Routledge. https://doi.org/10.4324/9781315110127

Lammer, K. (2014). Trauer verstehen (4. Aufl.). Springer Berlin Heidelberg.

Wie lange dauert Trauer?

Wie lange dauert Trauer?

Wann der Schmerz nach dem Tod einer nahestehenden Person nachlässt

Der Verlust eines geliebten Menschen kann eine der schwierigsten Erfahrungen im Leben sein. Während es wichtig ist, sich Zeit zu nehmen, um den Verlust zu verarbeiten, fragen sich viele Menschen, wie lange die Trauer nach dem Verlust einer nahestehenden Person durch Tod tatsächlich dauert.

Wie lange dauert Trauer?

Die Dauer der Trauer lässt sich nicht in feste Zeiträume einteilen. Sie kann Monate oder Jahre intensiv andauern, und es ist völlig normal, wenn eine gewisse Trauer ein Leben lang bestehen bleibt. Der Trauerprozess verläuft bei jedem Menschen anders:

  • Manche Menschen können relativ schnell einen Weg finden, mit dem Verlust umzugehen
  • Andere brauchen deutlich länger, um sich an die neue Realität anzupassen
  • Beide Wege – und alle Varianten dazwischen – sind völlig normal

Die intensivsten Phasen der Trauer

Die ersten Wochen und Monate nach einem Verlust werden von vielen als besonders intensiv erlebt. Die Schwere der Trauer wird dabei von verschiedenen Faktoren beeinflusst:

  • Die Art der Beziehung zur verstorbenen Person
  • Das eigene Alter und Geschlecht
  • Kulturelle und religiöse Hintergründe
  • Die persönliche Lebensgeschichte

Wichtig zu wissen: Intensive Trauer kann auch Jahre nach dem Verlust wieder auftreten, etwa durch bestimmte Auslöser, die Erinnerungen an die verstorbene Person wachrufen.

Das Leichterwerden der Trauer

Der Prozess des Leichterwerdens ist sehr individuell:

  • Für manche dauert er Wochen oder Monate
  • Andere benötigen Jahre, um sich zu erholen
  • Einige Menschen empfinden, dass ihre Trauer nie vollständig verschwindet
  • All diese Erfahrungen sind normal und legitim

Das Gefühl der Trauer

Trauer kann sich in verschiedensten Emotionen ausdrücken:

  • Tiefe Traurigkeit
  • Aufkommende Wut
  • Belastende Schuldgefühle
  • Phasen der Depression

Diese Gefühle können:

  • Sich im Laufe der Zeit wandeln
  • Von Tag zu Tag unterschiedlich sein
  • In Wellen kommen und gehen

Der persönliche Weg der Trauer

Es gibt keine festgelegten Regeln für die „richtige“ Art zu trauern. Jeder Mensch findet seinen eigenen Weg:

  • Manche suchen Trost in der Gemeinschaft mit Familie und Freunden
  • Andere ziehen sich lieber zurück und verarbeiten ihre Trauer allein
  • Einige nehmen professionelle Unterstützung in Anspruch
  • Alle diese Wege sind gleichermaßen wertvoll und angemessen

Wichtige Erkenntnisse für den Trauerprozess

  • Trauer braucht Zeit und lässt sich nicht beschleunigen
  • Es gibt keine vorgeschriebene Dauer oder Form der Trauer
  • Selbstfürsorge ist während der Trauerzeit besonders wichtig
  • Unterstützung anzunehmen – ob von Freunden, Familie oder Fachleuten – kann sehr hilfreich sein

Der wichtigste Grundsatz lautet: Deine Art zu trauern ist die richtige Art. Vertraue deinem eigenen Tempo und deiner individuellen Art, mit dem Verlust umzugehen.

Trauer oder Depression?

Trauer oder Depression?

Wann Trauer eine psychische Erkrankung ist

Trauer nach dem Tod einer nahestehenden Person geht häufig mit Symptomen einher, die auch typisch für Depressionen sind. Dazu gehören beispielsweise Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit, Schlafstörungen, ein verändertes Essverhalten oder vermehrtes Weinen. Auch wenn Trauer und Depressionen sich in der Symptomatik sehr ähnlich scheinen, sind Trauer und Depression NICHT dasselbe. Den Unterschied erklären wir dir hier.

Ist meine Trauer normal?

Nach dem Verlust eines geliebten Menschen musst du einen Weg finden, mit deiner Trauer umzugehen. Dabei ist es wichtig zu wissen: Trauer ist nicht nur in der ersten Zeit nach dem Verlust präsent, sondern begleitet uns ein Leben lang. Sie kommt und geht in Wellen, ist mal stärker und mal schwächer und kann sich über die Zeit verändern. Besonders in Phasen intensiver oder wiederkehrender Trauer fragst du dich vielleicht, ob deine Gefühle noch „normal“ sind oder ob sich bereits eine Depression entwickelt hat.

Was kennzeichnet Trauer und Depression?

Trauer

Trauer ist deine natürliche Reaktion auf einen Verlust, besonders wenn ein geliebter Mensch verstorben ist. Sie beschränkt sich nicht nur auf emotionale Reaktionen, sondern kann sich auch in körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen zeigen.

Depression

Eine Depression hingegen braucht keinen konkreten Auslöser, kann sich aber ebenfalls sowohl körperlich als auch seelisch äußern. Es gibt verschiedene Arten von Depressionen, die sich in ihrer Ausprägung unterscheiden.

Wie erkenne ich den Unterschied?

Die Unterscheidung zwischen Trauer und Depression ist nicht immer eindeutig, da sich viele Symptome überschneiden. Dennoch gibt es einige Anhaltspunkte:

Zeitlicher Verlauf

  • Trauer: Wechselt zwischen intensiven Phasen und Zeiten, in denen du deinen Alltag gut bewältigen kannst
  • Depression: Bleibt meist längere Zeit intensiv bestehen und verbessert sich ohne professionelle Hilfe kaum

Umgang mit Gefühlen

  • Trauer: Du suchst oft Trost bei Freunden und Familie, teilst deine Gefühle mit Vertrauenspersonen
  • Depression: Du ziehst dich eher zurück, isolierst dich und behältst deine Gefühle für dich

Erinnerungen und Freude

  • Trauer: Du kannst trotz des Schmerzes positive Erinnerungen bewahren und auch Momente der Freude erleben
  • Depression: Es fällt dir schwer, Freude zu empfinden oder positive Erinnerungen nachzuempfinden

Kann aus Trauer eine Depression werden?

Ja, Trauer kann so intensiv und langanhaltend sein, dass sich daraus eine Depression entwickeln kann. Die Übergänge sind oft fließend und die Unterscheidung komplex. Es ist wichtig zu verstehen:

  • Jede Trauer und jede Depression ist individuell
  • Eine eindeutige Abgrenzung ist nicht immer möglich
  • Die Hintergründe, Auslöser und Symptome müssen im Einzelfall betrachtet werden

Was bedeutet das für dich und deine Trauer?

Wichtige Erkenntnisse

  • Trauer und Depression sind nicht dasselbe, auch wenn die Symptome sich ähneln können
  • Die Grenzen sind fließend
  • Aus Trauer kann sich eine Depression entwickeln, muss es aber nicht

Praktische Empfehlungen

  • Sprich mit Menschen, denen du vertraust, wenn dir alles zu viel wird
  • Suche dir Personen, bei denen du dich sicher fühlst
  • Scheue dich nicht, mit deinem Arzt zu sprechen
  • Nutze alle Anlaufstellen, die dir hilfreich erscheinen

Beruhigende Gewissheit

Es ist völlig normal, dass:

  • deine Trauer in Wellen kommt
  • sie manchmal länger anhält
  • sie immer wieder zurückkehrt

Denk daran: Trauer ist ein Prozess, kein Zustand, der einfach vorübergeht. Du musst diesen Weg nicht alleine gehen – es gibt Menschen und Anlaufstellen, die dir zur Seite stehen.

Quellen:

American Psychiatric Association. (2013). Diagnostic and statistical manual of mental disorders (5th ed.). https://doi.org/10.1176/appi.books.9780890425596

Bonanno, G. A., Wortman, C. B., & Nesse, R. M. (2004). Prospective patterns of resilience and maladjustment during widowhood. Psychology and Aging, 19(2), 260–271. https://doi.org/10.1037/0882-7974.19.2.260

Shear, K. M., Simon, N., Wall, M., Z

Malkinson, R., Rubin, S. S., & Witztum, E. (2019). Toward the conceptualization of grief and depression: similarities, differences, and conceptual clarity. Death Studies, 43(2), 111–123. https://doi.org/10.1080/07481187.2017.1401098 Mauro, C., Shear, K. M., Reynolds, C. F., III, Simon, N. M., Zisook, S., & Skritskaya, N. A. (2019). Grief and bereavement: Recommendations for psychiatric evaluation and pharmacological treatment. A report of the World Psychiatric Association. World Psychiatry, 18(3), 357–368. https://doi.org/10.1002/wps.20659

Unverarbeitete Trauer: Brainfog

Unverarbeitete Trauer: Brainfog

Wieso du dich während der Trauer kognitiv beeinträchtigt fühlst und wie du damit umgehen kannst

Hattest du nach deinem Verlust schonmal das Gefühl, dass du dich nicht gut konzentrieren kannst, deine Gedanken überall sind nur nicht da, wo du sie brauchst oder dass du auf einmal ganz einfache Dinge vergisst? Mit diesen Problemen bist du nicht allein. Viele Trauernde haben die Erfahrung gemacht, dass sie temporär mit kognitiven Beeinträchtigungen zu tun haben, in Zeiten, in denen die Trauer sehr präsent ist. Viele beschreiben den Zustand mit einem Gefühl der gedämpften Aufmerksamkeit oder gar wie einen Gedankennebel. Daher wird dieser Zustand auch als Brainfog bezeichnet. In diesem Artikel erklären wir dir genauer, was es mit diesem Zustand auf sich hat und wie du damit umgehen kannst.

Was ist Brainfog?

Kennst du das? Du kannst dich kaum konzentrieren, vergisst häufiger Dinge als sonst, hast Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen, oder es fällt dir schwer, Entscheidungen zu treffen? Diese Art von kognitiver Beeinträchtigung wird als „Brainfog“ bezeichnet – ein Gefühl, als würde ein dichter Nebel deine Gedanken überdecken und es dir erschweren, klar zu denken.

Wie beeinflusst Trauer unser Gehirn?

Trauer ist eine komplexe Emotion, die tiefgreifende Auswirkungen auf Körper und Gehirn haben kann. Wenn du trauerst, beschäftigt sich dein Gehirn intensiv mit dem Verlust. Deine Gedanken kreisen oft um die verstorbene Person, deine Gefühle können besonders intensiv sein und du bist emotional sensibler als sonst.

Diese intensive Beschäftigung mit der Trauer kann so viel mentale Energie beanspruchen, dass für alltägliche kognitive Aufgaben weniger Kapazität bleibt. Das zeigt sich häufig in verminderter Konzentrationsfähigkeit und eingeschränkter Aufmerksamkeit. Viele Menschen berichten, dass ihre Gedanken häufig abschweifen und es ihnen schwerfällt, sich selbst einfache Dinge zu merken.

Wie lange hält Brainfog durch Trauer an?

Die Dauer von Brainfog ist sehr individuell. Viele Menschen erleben ihn besonders in der ersten, intensiven Trauerphase, aber er kann auch Jahre nach dem Verlust auftreten. Wie die Trauer selbst kann Brainfog in Wellen kommen und gehen. Die Symptome können Tage bis Wochen anhalten, dann wieder verschwinden und später erneut auftreten.

Welche konkreten Probleme können entstehen?

Brainfog äußert sich oft durch Schwierigkeiten beim Fokussieren auf Aufgaben und Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis. Viele Menschen beschreiben ein Gefühl von gedanklicher Leere. Dies kann zu verminderter Produktivität führen und die Motivation im Alltag stark einschränken. Besonders belastend ist dabei oft das Gefühl der Überforderung bei eigentlich gewohnten Tätigkeiten.

Wie kannst du mit Brainfog umgehen?

Der erste wichtige Schritt ist offene Kommunikation. Sprich mit anderen über deine Schwierigkeiten und lass dir bei konkreten Aufgaben helfen. Es kann sehr entlastend sein, deine Erfahrungen mit Menschen zu teilen, denen du vertraust.

Ein strukturiertes Vorgehen kann ebenfalls hilfreich sein. Versuche, wichtige Aufgaben zu priorisieren und große Aufgaben in kleinere, überschaubare Schritte zu unterteilen. Dies kann helfen, das Gefühl der Überforderung zu reduzieren.

Besonders wichtig ist ein bewusster Umgang mit deiner Trauer. Gib ihr den Raum, den sie braucht, und akzeptiere, dass sie Zeit und Energie kostet. Wenn du ein Bewusstsein für deine Trauerprozesse entwickelst, kannst du besser damit umgehen.

Selbstfürsorge spielt dabei eine zentrale Rolle. Nimm dir ausreichend Zeit für dich selbst und tue Dinge, die dir in deiner Trauer gut tun. Regelmäßige Pausen sind wichtiger denn je.

Lerne auch, deine Grenzen zu setzen. Es ist völlig in Ordnung, wenn du momentan weniger Aufgaben übernimmst als sonst. Das Setzen von Grenzen ist keine Schwäche, sondern zeigt, dass du verantwortungsvoll mit deiner aktuellen Situation umgehst.

Denk daran: Brainfog ist eine normale Reaktion auf Trauer. Es ist in Ordnung, wenn du vorübergehend nicht deine gewohnte Leistungsfähigkeit abrufen kannst. Gib dir die Zeit, die du brauchst, um mit deiner Trauer umzugehen. Die mentale Klarheit wird nach und nach zurückkehren.
Brainfog und Trauer sind belastend, können deinen Alltag einschränken und deine emotionale Ebene aus dem Gleichgewicht bringen. Doch vergiss nicht, Trauer ist wichtig und sollte den Raum bekommen, den sie benötigt. Nur wenn man Trauer zulässt, lernt man mit dieser umzugehen und sie in den Alltag zu integrieren.

Quellen:

McWhirter, L., Smyth, H., Hoeritzauer, I., Couturier, A., Stone, J., & Carson, A. J. (2021). What is brain fog? Practical Neurology, 21(1), 7-14. doi: 10.1136/practneurol-2020-002697

Parker, G. (2022). Ask depressed patients about brain fog to ensure melancholia is not missed. Australasian Psychiatry, 30(5), 612-614. doi: 10.1177/10398562221104402

Taylor, B. C., & Harrold, J. (2018). Widowhood and mental health: Social predictors of mental health disorders among widows. Journal of Women & Aging, 30(5), 414-425. doi: 10.1080/08952841.2017.1399035

Das Broken-Heart-Syndrom

Das Broken-Heart-Syndrom

Wenn emotionaler Stress das Herz angreift

Krank wegen gebrochenem Herzen? Der ein oder andere hat das sicher schon mal gehört, doch was ist dran an dieser Aussage? So viel schon mal vorweg, man kann durch „Herzschmerz“ oder auch einer sehr starken emotionalen Belastung Probleme am Herzen bekommen und krank werden. Dies nennt man dann Broken-Heart-Syndrom (zu Deutsch: Gebrochenes-Herz-Syndrom). Wie es dazu kommt, welche Auswirkungen es auf unseren Körper hat und inwieweit dieses Thema mit Trauer zu tun hat, erklären wir dir hier.

Was ist das Broken-Heart-Syndrom?

Das Broken-Heart-Syndrom, ist eine besondere Form der Herzerkrankung. Sie äußert sich in einer vorübergehenden Funktionsstörung des Herzmuskels, die häufig durch einen plötzlichen emotionalen Schock ausgelöst wird. Obwohl die genaue Ursache noch nicht vollständig geklärt ist, vermuten Mediziner eine Störung des autonomen Nervensystems, das die Herzfunktion reguliert.

Auslöser können sowohl emotionale als auch körperliche Belastungen sein, wie der Tod eines geliebten Menschen, eine schwere Krankheit, eine Trennung oder auch eine Operation oder schwere Infektion.

Wie erkennt man das Syndrom?

Die Symptome des Broken-Heart-Syndroms entwickeln sich meist plötzlich und können sich über Stunden oder Tage vollständig entfalten. Typische Anzeichen sind:

Starke Brustschmerzen, die in verschiedene Körperregionen ausstrahlen können – den linken Arm, den Rücken, die Schultern oder den Unterkiefer. Betroffene leiden häufig unter Kurzatmigkeit oder massiver Atemnot. Ein schneller Herzschlag und ein beengendes Gefühl im Brustkorb sind ebenfalls charakteristisch. Viele Menschen berichten von Schwindelgefühlen, und besonders Frauen können zusätzlich unter Übelkeit und Beschwerden im Oberbauch leiden.

Im Unterschied zu anderen Herzerkrankungen zeigen sich beim Broken-Heart-Syndrom keine Auffälligkeiten an den Herzkranzgefäßen. Die Störung betrifft ausschließlich die Funktion des Herzmuskels, was sich in EKG-Aufzeichnungen und bildgebenden Verfahren nachweisen lässt.

In welchen Situationen tritt es auf?

Das Syndrom kann durch verschiedene belastende Ereignisse ausgelöst werden. Besonders häufig tritt es nach plötzlichen emotionalen Erschütterungen auf, wie:

Der Verlust eines nahestehenden Menschen durch Tod ist einer der häufigsten Auslöser. Auch die Diagnose einer schweren Krankheit oder das Erleben eines schweren Unfalls können das Syndrom hervorrufen. Ebenso können große Verluste oder schwere Enttäuschungen im Leben zu einem Broken-Heart-Syndrom führen.

Heilungschancen und Behandlung

Die gute Nachricht ist: Das Broken-Heart-Syndrom ist in den meisten Fällen vollständig heilbar. Die Genesung erstreckt sich typischerweise über einen Zeitraum von Wochen bis Monaten, und bei den meisten Betroffenen bleiben keine dauerhaften Schäden zurück.

Die Behandlung konzentriert sich darauf, die akuten Symptome zu lindern und den Heilungsprozess des Herzens zu unterstützen. In manchen Fällen ist eine medikamentöse Therapie notwendig, aber nicht immer. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung sind wichtig, um mögliche Komplikationen zu vermeiden und die Heilung zu fördern.

Nach der körperlichen Genesung ist es oft hilfreich, sich auch mit den emotionalen Aspekten des auslösenden Ereignisses auseinanderzusetzen. Die Entwicklung geeigneter Strategien zur Stressbewältigung kann dabei unterstützen, zukünftige Belastungen besser zu bewältigen.

Entfremdung zwischen Eltern und Kindern

Entfremdung zwischen Eltern und Kindern

Warum sich die Beziehung zwischen Kindern und Eltern durch einen Verlust verschlechtert

Trauer verändert Menschen. Klingt nach einer Floskel? Stimmt aber! Der Verlust eines geliebten Menschen beeinflusst jeden Einzelnen und auch die Beziehungen der Hinterbliebenen zueinander. Vor allem nach dem Verlust eines Elternteils, kann es dazukommen, dass sich die Beziehung zum verbleibenden Elternteil oder auch das gesamte Familienverhältnis verändert. In manchen Fällen verschlechtert sich die Beziehung oder der Kontakt bricht sogar gänzlich ab. Woran das liegt, erklären wir dir hier!


Distanzierung als normaler Entwicklungsprozess

Eine gewisse Distanzierung zwischen Eltern und jungen Erwachsenen ist ein natürlicher Prozess. Der Wunsch nach Eigenständigkeit und Unabhängigkeit prägt diese Entwicklungsphase und beeinflusst die familiären Beziehungen. Interessanterweise zeigen Studien, dass etwa 20% der Heranwachsenden sich von ihrem Vater distanzieren, während dies bei der Mutter nur bei etwa 9% der Fall ist.

Diese Distanzierung kann sich sowohl physisch als auch emotional ausdrücken. Während sich die physische Distanz in selteneren Besuchen oder Telefonaten zeigt, äußert sich die emotionale Distanz eher in einem abnehmenden Gefühl der Verbundenheit und dem Verlust gemeinsamer Gesprächsthemen.

Verlust als ungewollte absolute Distanzierung

Der Tod eines Elternteils stellt eine besonders extreme Form der Distanzierung dar – eine, die weder gewollt noch erwartet war. Diese absolute und unumkehrbare Trennung kann nicht nur schwer zu verarbeiten sein, sondern auch das Verhältnis zum verbliebenen Elternteil grundlegend verändern. Die daraus entstehende Entfremdung kann unterschiedlich ausgeprägt sein und verschiedene Zeitspannen umfassen.

Faktoren, die die Entfremdung beeinflussen

Das Ausmaß der Entfremdung nach einem Verlust wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Eine zuvor positive und unterstützende Familienbeziehung kann als Schutzfaktor wirken und macht eine starke Entfremdung weniger wahrscheinlich.

Vorbelastungen aus der Vergangenheit, wie etwa eine Scheidung oder das Hinzukommen eines Stiefelternteils, können hingegen das Risiko für eine Entfremdung erhöhen. Solche früheren Erfahrungen haben das Familiengefüge möglicherweise bereits einmal erschüttert und komplexer gemacht.

Der Umgang mit Entfremdung

Die Entfremdung nach dem Verlust eines Elternteils kann das Familiengefüge stark belasten. Jedes Familienmitglied braucht seinen eigenen Raum und seine eigene Zeit für die Trauerbewältigung. Der Versuch, ein besonders enges Familienverhältnis zu erzwingen, kann kontraproduktiv sein.

Verluste können Menschen grundlegend verändern. Diese Veränderungen können sich in neuen Ansichten, Meinungen oder Verhaltensweisen des verbliebenen Elternteils zeigen. Wenn das Kind diese Veränderungen nicht nachvollziehen oder akzeptieren kann, kann dies zu weiterer Distanzierung führen.

Unterstützung von außen

Als außenstehende Person kannst du in dieser Situation hilfreich sein:

  • Biete dich als Gesprächspartner an, ohne zu drängen
  • Zeige Verständnis für alle Beteiligten, ohne zu urteilen
  • Respektiere die individuellen Gründe für das Verhalten der Trauernden
  • Gib allen Beteiligten die Zeit, die sie brauchen

Hoffnung bei Kontaktverlust

Selbst wenn es zum vollständigen Kontaktverlust kommt, ist dies meist keine dauerhafte Situation. Die meisten erwachsenen Kinder entfernen sich nicht permanent vom verbliebenen Elternteil. Der Zeitpunkt der Wiederannäherung lässt sich zwar nicht vorhersagen, aber es ist wichtig, der sich zurückziehenden Person den nötigen Raum für ihre Trauer zu geben. Ein empathischer, wertschätzender Umgang ohne Druck ist dabei der beste Weg, die Beziehung langfristig zu erhalten.

Quellen

Arranz Becker, O., & Hank, K. (2022). Adult children’s estrangement from parents in Germany. Journal of Marriage and Family, 84, 347-360. https://doi.org/10.1111/jomf.12796.

Warum sich Trauer durch Alkohol verstärkt

Warum sich Trauer durch Alkohol verstärkt

Starke Trauer im Hangover

Nach einem Abend mit etwas zu viel Alkohol ist deine Trauer besonders stark? Wir erklären dir, warum.

Der trügerische Trost des Alkohols

In der Trauer kennst du vielleicht den Wunsch, deinen Kopf einfach freizubekommen oder deine Gefühle und Gedanken abzuschalten. Alkohol erscheint dann oft als einfache Lösung. Er vermittelt uns kurzfristig positive Gefühle: Wir fühlen uns entspannt, weniger ängstlich und haben den Eindruck, für einen Moment abschalten zu können.

Diese scheinbare Verbesserung unserer Stimmung und das Gefühl der Distanz zur Trauer haben einen biochemischen Hintergrund: Alkohol greift direkt in deine Gehirnchemie ein. Er beeinflusst die Ausschüttung von Botenstoffen, indem er die bremsenden verstärkt und die erregenden verringert. Das Resultat ist ein kurzfristiges Gefühl von Entspannung und verminderter Angst.

Der Rebound-Effekt: Wenn die Trauer zurückschlägt

Was zunächst positiv klingt, hat eine Kehrseite. Kennst du das? Nach einer Nacht mit etwas zu viel Alkohol fühlt sich deine Trauer am nächsten Tag doppelt so intensiv an. Du bist ängstlicher, niedergeschlagen und grübelst mehr als sonst. Dies ist der sogenannte Rebound-Effekt.

Der entspannende Effekt des Alkohols ist nur von kurzer Dauer. Nach 24 bis 48 Stunden kehrt sich die Wirkung um: Dein Körper schüttet vermehrt Botenstoffe aus, die zu verstärkter Ängstlichkeit, depressiver Verstimmung und vermehrtem Grübeln führen. Du fühlst dich angespannter als vor dem Alkoholkonsum.

Die Tücke der langfristigen Folgen

Das Tückische an der Alkoholwirkung ist, dass unser Körper sich vorrangig an die unmittelbare, positive Wirkung erinnert. Viele Trauernde verbinden Alkohol mit Entspannung und Sorgenfreiheit, obwohl er langfristig das Gegenteil bewirkt.

Schon regelmäßiger Konsum in geringen Mengen – ein- bis zweimal pro Woche – kann deine Gehirnchemie nachhaltig durcheinanderbringen. Statt eines dauerhaften Entspannungseffekts reduziert sich deine körpereigene Fähigkeit zur Entspannung immer weiter.

Wege aus der Alkoholfalle

Wenn du merkst, dass dein Alkoholkonsum in der Trauer zugenommen hat oder du ihn als Problemlösestrategie nutzt, gibt es verschiedene Möglichkeiten gegenzusteuern:

Entwickle eine bewusste Selbstwahrnehmung. Führe ein Protokoll über deinen Konsum: Notiere, in welchen Situationen du wie viel trinkst. Analysiere, welche Bedürfnisse in diesen Momenten im Vordergrund stehen und wie du sie anders erfüllen könntest.

Suche das Gespräch mit Menschen, denen du vertraust. Teile deine Sorgen und Ängste mit ihnen. Sie können dir eine wichtige Stütze sein.

Scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sprich mit deinem Arzt über deine Bedenken oder Fragen. Es ist ein Zeichen von Stärke, sich Unterstützung zu holen.

Denk daran: Der Wunsch nach Erleichterung in der Trauer ist völlig normal. Aber es gibt gesündere Wege als Alkohol, um mit deinen Gefühlen umzugehen.


Quellen

Pitman, A., Stevenson, F., King, M. and Osborn, D. (2020). Self-Reported Patterns of Use of Alcohol and Drugs After Suicide Bereavement and Other Sudden Losses: A Mixed Methods Study of 1,854 Young Bereaved Adults in the UK. Frontiers in Psychology, 11, https://doi.org/10.3389/fpsyg.2020.01024.

Knabbe, J., Protzmann, J., Schneider, N. and Cambridge, S. B. (2022). Single-dose ethanol intoxication causes acute and lasting neuronal changes in the brain. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 119, https://doi.org/10.1073/pnas.2122477119.

Warum wir mehr als nur eine Person verlieren

Warum wir mehr als nur eine Person verlieren

Sekundäre Verluste beeinflussen den Trauerprozess

Jeder Trauernde kennt sie, doch vielen sind sie gar nicht bewusst: die sekundären Verluste. Für Außenstehende sind sie oft gar nicht zu bemerken. Mit dem Tod einer nahestehenden Person verlieren wir nicht nur eine geliebte Person, sondern auch andere Bereiche unseres Lebens. Freundschaften können durch Trauer zerbrechen, bestimmte Rollen entfallen oder das gemeinsame Zuhause muss aufgelöst werden. Diese weiteren Verlusterfahrung nach dem Todesfall einer nahestehenden Person heißen sekundäre Verluste. Sie stehen in unmittelbarem Zusammenhang zu der verstorbenen Person und konfrontieren die Hinterbliebenen stetig mit der Verlusterfahrung.

Warum sich das Leben so anders anfühlt

Sekundäre Verluste haben einen tiefgreifenden Einfluss auf Trauernde, da sie immer wieder neu mit dem ursprünglichen Verlust konfrontieren. Die Trauerforschung zeigt, dass diese nachfolgenden Verluste für die Betroffenen eine ähnlich große Bedeutung haben können wie der primäre Verlust selbst. Sie verstärken das Gefühl, dass sich das eigene Leben fundamental verändert hat.

Verschiedene Bereiche sekundärer Verluste:

Sozialer Bereich: Du kannst eine schmerzhafte Distanz zu Freunden und Familienmitgliedern erleben, die mit deiner Trauer nicht umgehen können. Dies kann zu Gefühlen von Isolation und Einsamkeit führen.

Sicherheit und Stabilität: Der Verlust eines Partners oder Elternteils kann neben der emotionalen Lücke auch praktische Konsequenzen haben – von finanzieller Unsicherheit bis zum Gefühl, schutzlos zu sein.

Identität und Lebenssinn: Mit dem Tod einer wichtigen Bezugsperson kann auch das eigene Selbstverständnis ins Wanken geraten. Viele Menschen müssen ihre Identität und ihren Lebenssinn neu definieren.

Vertrauen und Zukunftsperspektive: Sekundäre Verluste können dein Vertrauen in dich selbst, in andere Menschen und in das Leben generell erschüttern. Die Zukunft kann plötzlich unsicher und bedrohlich erscheinen.

Die weitreichenden Folgen

Die Auswirkungen sekundärer Verluste sind vielfältig und individuell. Manche Menschen ziehen sich sozial zurück, um weitere Verluste zu vermeiden. Dies kann zu einem Teufelskreis aus Einsamkeit und Hilflosigkeit führen. Die wiederholte Konfrontation mit dem primären Verlust durch sekundäre Verluste kann eine erhebliche Stressbelastung darstellen, besonders weil diese Situationen oft überraschend auftreten.

Auch deine Persönlichkeit kann sich durch diese Erfahrungen verändern. Interessen und Vorlieben können sich wandeln, was wiederum Auswirkungen auf dein soziales Umfeld haben kann.

Umgang mit sekundären Verlusten

Der Umgang mit sekundären Verlusten erfordert Zeit und bewusste Aufmerksamkeit. Hier einige wichtige Punkte:

Akzeptanz: Nimm dir die Zeit, auch diese nachfolgenden Verluste wahrzunehmen und zu akzeptieren. Es ist normal und verständlich, dass sich dein Leben verändert hat.

Individuelle Bewältigung: Es gibt kein „richtiges“ oder „falsches“ Verhalten im Umgang mit sekundären Verlusten. Du musst deinen eigenen Weg finden, damit umzugehen.

Unterstützung suchen: Scheue dich nicht, dir Hilfe zu holen – sei es von Vertrauenspersonen oder professionellen Beratern. Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.

Zeit nehmen: Lass dir die Zeit, die du brauchst, um dich mit deinen Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen. Trauer kennt keine Zeitbegrenzung.

Denk daran: Jeder Mensch erlebt sekundäre Verluste anders, und nicht jeder wird die gleichen Verluste durchmachen. Die Anpassung an die neue Lebenssituation ist ein Prozess, der Zeit, Unterstützung und bewusste Auseinandersetzung erfordert.

Quellen:

Kaltenthaler, E., & Shackleton, R. (2019). Secondary losses following bereavement: An exploration of the literature. Bereavement Care, 38(3), 90-97. 

Stroebe, M., & Schut, H. (2019). The dual process model of coping with bereavement: Rationale and description. Death Studies, 43(6), 1014-1025. 

Kristensen, P., Weisæth, L., & Heir, T. (2018). Bereavement and mental health after sudden and violent losses: A review. Psychiatry, 81(2), 107-125. 

Boelen, P. A., & van den Bout, J. (2018). Complicated grief, depression, and anxiety as distinct postloss syndromes: A confirmatory factor analysis study. The American Journal of Psychiatry, 175(3), 225-232. 

Taku, K., Cann, A., Tedeschi, R. G., & Calhoun, L. G. (2020). The factor structure of posttraumatic growth and its relationship with resilience. Journal of Loss and Trauma, 25(5), 414-426. 

Bestattungsarten im Überblick (Sarg, Urne, Feuerbestattung, Seebestattung, …)

Welche Bestattungsarten gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es verschiedene Bestattungsformen. Dazu gehören traditionelle Erd- und Feuerbestattungen bis hin zu alternativen Optionen wie der Baumbestattung, der Seebestattung oder der Körperspende.

Erdbestattung

Die meisten Bestattungen in Deutschland erfolgen entweder durch Erd- oder Feuerbestattung. Bei der Erdbeisetzung wird der Leichnam in einem Sarg in ein Grab gelegt und mit Erde bedeckt. Meist wird das Grab anschließend mit einem Holzkreuz, später mit einem Grabstein und Pflanzen gestaltet.

Feuerbestattung

Die meisten Bestattungen in Deutschland erfolgen entweder durch Erd- oder Feuerbestattung. Bei der Feuerbestattung wird der Leichnam in einem Krematorium verbrannt, und die Überreste werden in einer Urne auf einem Friedhof beigesetzt. Einäscherungen sind in Deutschland aktuell die häufigste Bestattungsform. Grund dafür sind die in der Regel niedrigeren Bestattungskosten, der geringe Pflegeaufwand des Grabes und die vielen Bestattungsmöglichkeiten.

Baumbestattung

Eine Naturbestattung bietet die Möglichkeit, die Asche des Verstorbenen in der freien Natur beizusetzen. Bei der Baumbestattung oder Waldbestattung wird die Asche des Verstorbenen in einer Urne am Fuße eines Baumes in einem Bestattungswald beigesetzt. Die Urne ist biologisch abbaubar und die Gräber nicht sichtbar, wodurch der Wald seine natürliche Schönheit erhält. Die Grabstelle verbleibt entweder anonym oder wird mit einer Plakette gekennzeichnet. Die Pflicht zur Grabpflege entfällt und die Kosten sind oft geringer als bei klassischen Sarg- und Urnenbestattungen. Baumbestattungen sind mittlerweile an vielen Orten in Deutschland möglich. Frage dazu am besten dein Bestattungsunternehmen.

Seebestattung

Eine Seebestattung ist eine Bestattungsart, bei der die Asche des Verstorbenen im Meer beigesetzt wird. Die Asche wird in einer speziellen wasserlöslichen Urne auf einem Schiff zu einer bestimmten Stelle auf See gebracht und dort ins Wasser gelassen. Im Gegensatz zu traditionellen Bestattungen gibt es bei einer Seebestattung keine Grabstelle, und es wird keine Trauerfeier auf einem Friedhof abgehalten. Stattdessen kann eine Gedenkfeier auf dem Schiff oder an einem Ort Deiner Wahl abgehalten werden.

Besonders für Menschen mit einer starken Verbundenheit zum Meer ist diese Bestattungsart eine schöne Alternative. Neben seemännischen Zeremonien, berücksichtigt die Reederei die Wünsche der Angehörigen zur Trauerfeier. Angehörige können bei der Bestattungsfahrt teilnehmen oder es kann eine stille Bestattungsfahrt ohne das Beisein von Angehörigen veranlasst werden. Bedenke bei der Wahl einer Seebestattung, dass es keinen örtlichen Bezugspunkt gibt. Das Meer und das Wasser sind bei einer Seebestattung das Medium des Gedenkens.

Körperspende

Organspenden sind in unserer Gesellschaft bekannt, Körperspenden hingegen weniger. Ein Mensch kann sich zu Lebzeiten durch eine Körperspendeerklärung dazu entscheiden, seinen Körper nach dem Tod zu wissenschaftlich-medizinischen Zwecken zur Verfügung zu stellen. Die Körperspendeerklärung wird direkt mit einer anatomischen Einrichtung abgestimmt und dient der medizinischen Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung. Von dem Vertrag können jederzeit beide Parteien zurücktreten. Wenn nicht anders vereinbart, kümmert sich das Institut um die anschließende Bestattung.

Eine Körperspende ist nur durch eine Körperspendeerklärung, abgeschlossen mit einem anatomischen Institut, gültig. Vermerke im Testament oder eine Patientenverfügung sind nicht ausreichend. Auch Angehörige sind nicht befugt, eine Körperspende zu veranlassen oder einen Vertrag zu widerrufen. Zwischen dem Todesfall und der abschließenden Bestattung eines Körperspenders können mehrere Jahre vergehen. Da eine Bestattung ein wichtiger Punkt in der Trauerbewältigung der Angehörigen darstellt, sollten Angehörige am besten in die Entscheidung mit einbezogen werden.

Anonyme Bestattungen

Anonyme Bestattungen sind eine weitere Möglichkeit, die in Deutschland angeboten wird. Bei dieser Art der Bestattung wird der Verstorbene ohne Beisein von Angehörigen oder Freunden beerdigt. Die Grabstelle wird nicht gekennzeichnet, und es wird keine Trauerfeier abgehalten. Anonyme Bestattungen sind oft eine günstigere Alternative zu traditionellen Bestattungen.

Bild von der grievy App im Artikel über die Bestattungsarten.

Die ganzen Aufgaben und Entscheidungen können in der Trauer eine große Belastung darstellen. Vielleicht lösen sie bei dir Gefühle von Überforderung, Einsamkeit oder Ohnmacht aus. grievy unterstützt dich in der Trauer. Unsere interaktive App ist dein Trauer Safe Space – entwickelt von Psychologinnen und aus dem eigenen Verlusterleben unserer Gründer heraus. Wir wissen wie sich Trauer anfühlt und möchten dich auf deinem Weg in der Trauer unterstützen.

Welche Regeln gibt es bei den einzelnen Bestattungsformen?

Bei jeder Bestattungsart gibt es bestimmte gesetzliche Regeln die beachtet werden müssen. Die Friedhofsordnung legt die Regeln des gewählten Friedhofs fest. Dazu gehören die Pachtzeiten, die Gestaltungsrichtlinien des Grabes, sowie die Ruhezeit der beigesetzten verstorbenen Person. Da die Regeln sich von Friedhof zu Friedhof und in den einzelnen Bundesländern in Deutschland unterscheiden, wirf einen Blick in die Friedhofsordnung in dem von dir ausgewählten Friedhof.

Was solltest du bei der Wahl der Bestattungsart beachten?

Um die richtige Form der Beisetzung aus der Vielzahl an Bestattungsarten zu finden, sollten die Kosten, der Pflegeaufwand des Grabes, die Erreichbarkeit des Grabes sowie die Persönlichkeit der verstorbenen Person berücksichtigt werden. Bei der Wahl der Bestattungsart solltest du folgende Punkte berücksichtigen:

  • Gab es schriftliche oder mündliche Äußerungen der verstorbenen Person über die gewünschte Bestattungsart?
  • Gibt es bereits eine Grabstätte die genutzt werden kann?
  • Welches Familienmitglied besucht den Bestattungsort am häufigsten?
  • Ist der Bestattungsort gut zu erreichen?
  • Wird eine anonyme oder eine nicht-anonyme Grabstätte gewünscht?
  • Wie hoch sind die Kosten für die gewünschte Bestattungsart?
  • Können die Kosten für die Bestattungsform getragen werden?
  • Möchte eine angehörige Person die Grabpflege übernehmen oder können die Kosten für eine professionelle Grabpflege getragen werden?

Die Wahl der Bestattungsart ist oft keine leichte, da wir zu diesem Zeitpunkt oft sehr stark mit unserer Trauer und dem Verlust konfrontiert werden. Wenn du die Fragen beantwortest, wird die die Entscheidungsfindung der richtigen Form der Beisetzung der verstorbenen Person leichter fallen.

Welche Grabarten gibt es bei den einzelnen Bestattungsformen?

Je nach dem für welche Bestattungsart du dich entscheidest, gibt es verschiedene Grabarten die ausgewählt werden können. Neben Wahl-, Reihen- und Wiesengräbern, gibt es auch anonyme Bestattungen. Sie unterscheiden sich in folgenden Punkten:

  • der Möglichkeit der Wahl von Lage und Größe des Grabes
  • der Möglichkeit zur weiteren Beisetzung von Särgen oder Urnen
  • den Kosten
  • der Pflicht zur Grabpflege
  • der Gestaltungsfreiheit der Grabstätte
  • der Möglichkeit zur Verlängerung von Nutzungsrechten

Was ist ein Wahlgrab?

Bei einem Wahlgrab suchst du die Lage und die Größe des Grabes aus, wählst zwischen Einzel- oder Mehrgrabstellen und weitere Beisetzungen sind möglich. Wahlgräber bieten den größten Entscheidungsspielraum und die Nutzungsrechte können verlängert werden. Gleichzeitig ist es die teuerste Grabart.

Was ist ein Reihengrab?

Bei einem Reihengrab legt die Friedhofsverwaltung die Lage des Grabes fest. Reihengräber sind Einzelgräber und die Nutzungsrechte können nicht verlängert werden.

Was ist ein Wiesengrab?

Bei einem Wiesengrab entfällt die individuelle Gestaltung des Grabes und die Pflicht zur Grabpflege. Auf dem Grab wird Rasen gesät und die Pflege vom Friedhof übernommen. Anstelle eines Grabsteins, kann die Grabstelle mit einer Grabplatte gekennzeichnet werden.

Was ist ein anonymes Grab?

Das anonyme Grab gleicht dem Wiesengrab ohne die Kennzeichnung der Grabstelle durch eine Grabplatte. Auf dem Grab wird Rasen gesät und die Pflege vom Friedhof übernommen. Die individuelle Gestaltung, sowie die Pflicht zur Grabpflege entfällt.

Was ist eine Urnenwand?

Die Urnenwand ist eine oberirdische Aufbewahrung der Urne in einer Nische in einer Wand. Jede Nische wird namentlich gekennzeichnet. Die Grabpflege entfällt.

Wenn die Trauer zu groß wird

Die ganzen Aufgaben und Entscheidungen können in der Trauer eine große Belastung darstellen. Vielleicht lösen sie bei dir Gefühle von Überforderung, Einsamkeit oder Ohnmacht aus. Grievy unterstützt dich in der Trauer. Unsere interaktive App ist dein Trauer Safe Space – entwickelt von Psychologinnen und aus dem eigenen Verlusterleben unserer Gründer heraus. Wir wissen wie sich Trauer anfühlt und möchten dich auf deinem Weg in der Trauer unterstützen.

Selbstwertgefühl stärken: 3 Tipps nach einem Verlust

Warum ein hohes Selbstwertgefühl in der Trauer wichtig ist 

Ein gesundes Selbstwertgefühl ist eine wichtige Ressource für die Trauerverarbeitung. Der Selbstwert, auch Selbstwertgefühl, Selbstwertschätzung, Selbstachtung genannt, ist die subjektive Einschätzung der eigenen Person und der eigenen Handlungsmöglichkeiten. Das heißt, dein Selbstwert beschreibt, wie du dich selbst und deine Fähigkeiten bewertest. Wenn eine nahestehende Person verstirbt oder wir eine Trennung durchleben, führt dies zu vielen Veränderungen in unserem Alltag. Diese Veränderungen können sich auf unser Selbstwertgefühl auswirken.

Womit steigere ich meinen Selbstwert in der Trauer?

 

Soziale Kontakte die dir guttun

In der Trauer zieht man sich schnell sozial zurück. Sich zurück zu ziehen oder das Bedürfnis nach Alleinsein zu verspüren, ist ganz normal. Sich vollkommen von deinen Freunden und deiner Familie abzugrenzen, kann über die Zeit jedoch Gefühle von Einsamkeit auslösen und dein Selbstwertgefühl senken. Vertraute Personen können uns zuhören, uns unterstützen und uns andere Sichtweisen aufzeigen, die wir selbst in Momenten der tiefen Trauer und des Schmerzes vielleicht nicht sehen. Durch den Verlust können sich Beziehungen verändern. Hör auf dein Bauchgefühl, wer dir in der Trauer guttut.

Hobbys und Aktivitäten

Nach einem Verlust fühlen wir uns oft wie gelähmt. Das Nachgehen von Hobbys und gewohnten Aktivitäten fällt dir vielleicht schwer. Dabei geben dir Hobbys und geplante Aktivitäten eine Struktur in deinem Alltag, der sich wahrscheinlich sehr stark verändert hat. Sie können dich für einen Augenblick ablenken und einen Moment der Freude in der Trauer schaffen. Deinen Interessen nachzugehen, Sport zu treiben oder etwas Kreatives auszuüben kann deinen Selbstwert nach einem Verlust steigern. Hör dabei auf dich. Aktivitäten können uns in der Trauer überfordern, deshalb hör auf dich.

Selbstmitgefühl und Akzeptanz

Nach dem Tod einer nahestehenden Person oder nach einer Trennung, fehlt uns nicht nur die Person.

Möglicherweise fällt dir auf, dass sich durch deine Verlusterfahrungen auch deine Freundschaften, gewisse Rollen (z. B. die Rolle als Partner oder als Kind) oder deine finanzielle Sicherheit verändern. Zu diesen Veränderungen erfährst du hier mehr. Dein Leben steht Kopf. Versuche deshalb mitfühlend mit dir umzugehen. Die Veränderungen können schmerzlich sein und es braucht Zeit, alle Veränderungen zu akzeptieren.

Trauerprozess nicht vergleichen

Möglicherweise äußert sich Trauer bei dir ganz anders als bei anderen Menschen in deinem Umfeld. Dabei hilft es nicht, die Trauer zu unterdrücken, um gesellschaftsfähiger oder stärker zu wirken. Versuche dich nicht mit anderen in der Trauer zu vergleichen. Du darfst selbst entscheiden, was dir in dieser Zeit guttut und welche Ratschläge du annehmen möchtest. In dem du versuchst bei dir selbst und bei deinen Gefühlen zu bleiben, kannst du deinen Selbstwert in der Trauer stärken.

Wie unterstütze ich als Angehörige eine trauernde Person in ihrem Selbstwert?

Hat jemand in deinem Umfeld einen Todesfall oder eine Trennung erlebt, kann es schwierig sein, sich in die Situation hineinzuversetzen. Denn die Person hat durch ihren Verlust eine schwere Zeit, die vielleicht von geschwächtem Selbstwert geprägt ist. Versuche sie zu unterstützen, dabei aber nicht ihre Privatsphäre anzugreifen oder sich ihr aufzudrängen. Unerwünschte Tipps sowie Kommentare können den Selbstwert nach einem Verlust weiter verringern. Versuch empathisch zuzuhören und die Gedanken und Gefühle anzuerkennen ohne sie zu bewerten.

Quelle zur Definition von Selbstwert: Selbstwert – Dorsch – Lexikon der Psychologie (hogrefe.com)

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